Verfasst von Benni am April 12, 2008
“Um 1200 gab es weniger Wälder in Deutschland als heute.”
Quelle: “Groß Winseln und Wehklagen” von Wolfgang Behringer in “Kulturaustausch - Zeitschrift für internationale Perspektiven” 11/2008
Dieser Eintrag wurde erstellt am April 12, 2008 um 12:28 Uhr nachmittags und ist abgelegt unter Uncategorized.
Getaggt: geschichte, mittelalter, verblüffender fakt, wald.
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April 12, 2008 um 1:07 Uhr nachmittags
was heisst verblüffend? genau genommen ist es nur augenwischerei. um 1200 gab es kein deutschland
oder bezieht sich der autor auf die “umrisse” des heutigen deutschlands?
April 12, 2008 um 1:27 Uhr nachmittags
Das stand nicht dabei, hat mich aber auch verwirrt. Ich gehe davon aus, dass das heutige westliche Deutschland gemeint gewesen ist. Damals gabs ja auch Auswanderungswellen Richtung Osten, wie im “Rattenfänger von Hameln” beschrieben.
Verblüffend finde ich das aber schon, weil es unser Bild vom “dunklen” Mittelalter durcheinanderbringt. Ausserdem zeigt es auf wie sehr die Landschaft Mitteleuropas eine Kulturlandschaft ist. So etwas wie “ursprüngliche Natur” gibt es schlicht nicht mehr - wenn es sie denn je gegeben hat.
April 13, 2008 um 8:43 Uhr nachmittags
Hm, vielleicht ist es gelogen. Hat er seine Quellen angegeben?
Oder Wortklauberei: Es war EIN zusammenhängendes Waldgebiet mit einzelnen Siedlungen drin? Oder ansonsten war es Sumpf?
April 14, 2008 um 8:20 Uhr vormittags
@Christine: Nein, ich glaube grundsätzlich stimmt das schon zumindestens für Westdeutschland. Im Hochmittelalter wurde massiv gerodet und es gab einen Bevölkerungsboom. Das fand dann erst mit dem schwarzen Tod sein appruptes Ende.
Quellen standen in dem Artikel aber keine, in diesem Magazin wird eher populärwissenschaftlich geschrieben und ohne Literaturangaben. Der Autor ist aber immerhin Historiker, wird also wissen wovon er spricht.
April 14, 2008 um 10:23 Uhr vormittags
Wird wohl räumlich schon um das gehen, was heute Deutschland genannt wird. Ist ja schon fast üblich, dass es vereinfachend zu dieser falschen Bezeichnung kommt. find ich jetzt auch nicht so schlimm.
So sehr verblüffend ist das allerdings nicht. Im Mittelalter wurde zum Heizen anständig Kahlschlag betrieben. Wie gesagt, die Pest hat das dann beendet.
April 14, 2008 um 11:26 Uhr vormittags
Och menno, niemand ist verblüfft. Da muss ich mir wohl mehr Mühe geben.
April 14, 2008 um 1:18 Uhr nachmittags
@Benni Naja, an der Verblüffung musst Du noch ein bißchen arbeiten. Aber interessante Kontroversen sind doch auch was wert.

Selbst, wenn der Mann Historiker ist, glaube ich das nämlich nicht einfach so. Ist doch schwer vorstellbar, dass eine Rodung wegen des Bevölkerungsbooms in den gleichen Dimensionen wie heute stattgefunden haben soll. (Vielleicht ist es ein Gelehrtenstreit und er erzählt uns nur eine Position?) Die Wikipedia zumindest stellt es anders dar. Und jetzt sagt nicht, der Historker wisse mehr als die Wikipedia.
Zur Geschichte des Waldes steht da zwar, dass es eine Rodungsperiode zwischen 1100 und 1300 gab. Aber erst in dieser Zeit drangen zum Beispiel menschliche Behausungen überhaupt in entlegene Täler des Mittelgebirges vor. Und weiter: “Mit Ende des 14. Jahrhunderts hatte sich ein Verhältnis zwischen Kultur- und Waldfläche gebildet wie es ungefähr auch dem heutigen entspricht.” Ich verstehe das nicht so, dass es zwischendurch ein umgekehrtes Verhältnis (weniger Wälder als heute) gegeben hätte.
Kann das jetzt mal bitte jemand überprüfen und mir sagen, wer Recht hat?
Juli 31, 2008 um 4:54 Uhr nachmittags
Zitat “Und jetzt sagt nicht, der Historker wisse mehr als die Wikipedia.”
Natürlich kann ein Historiker mehr wissen als Wikipedia, insbesondere wenn es um sein Fachgebiet geht.
In Wikipedia kann jeder reinschreiben. JEDER! Auch wenn er keine Ahnung hat. Wenn es keiner korriegiert, bleibt das so stehen. Und daher gibt es in Wikipdia gute Artekel, aber leider auch viel Blödsinn.