Frecher geht immer!
Verfasst von Benni am Oktober 30, 2008
Wer geglaubt hatte die Sozialisierung der Verluste der Finanzbranche sei schon eine bodenlose Frechheit wird jetzt belehrt, dass es wohl offensichtlich noch frecher geht. Die Financial Times Deutschland schreibt:
Die vom US-Rettungspaket in der Finanzkrise unterstützten Banken schütten laut einem Zeitungsbericht rechnerisch mehr als die Hälfte der Milliardenhilfen als Dividenden an ihre Aktionäre aus. Statt in die dringend nötige Wiederbelebung der Kreditvergabe fließe das Geld so mit staatlichem Segen an die Anteilseigner, berichtete die „Washington Post“ am Donnerstag. Die bislang am Rettungspaket beteiligten 33 Finanzhäuser planten aktuell Quartalsdividenden von zusammen rund 7 Mrd. $. Auf die nächsten drei Jahre hochgerechnet sei das mehr als die Hälfte der vom Staat bislang in die Institute investierten Summe von gut 163 Mrd. $, so die Zeitung.
Das nenn ich mal Umverteilungspolitik!
Den Originalartikel kann man leider nicht direkt verlinken. Über die Homepage der Washington Post ist er allerdings zugreifbar.
1000sunny sagte
Das sieht auf den ersten Blick wirklich gemein aus. Aber so funktioniert der Kapitalismus. Dadurch, dass heute die Aktionäre gnädig gestimmt werden, wird morgen wieder investiert. Schließlich trägt der Staat mit einer total verblödeten Zinspolitik die Schuld an dem Debakel – schade, dass er aber nur die großen Firmen raushaut. Das wird Aktionäre in Zukunft zweimal nachdenken lassen, bevor sie ihr hart verdientes Geld in irgendeine kleine Klitsche investieren. Das wird wahrscheinlich noch mal zusätzlich negative Effekte haben, an die man heute noch gar nicht denkt.
Benni sagte
„Das sieht auf den ersten Blick wirklich gemein aus.“
stimmt.
„Aber so funktioniert der Kapitalismus.“
stimmt auch auffallend. Was schliessen wir daraus? Richtig, Kapitalismus ist gemein.
1000sunny sagte
Ich glaube eher, dass der Staat ganz viel Papier drucken darf, und das müssen wir als Zahlungsmittel benützen ist gemein. Den Kapitalismus an sich finde ich eher kindisch – er basiert ja auf der Idee: Aber ich hab schon ganz viel gemacht – jetzt muss der auch mal was tun. Da ist der Voluntarismus eher mein Ding.
Wenn man jemanden schützen sollte, dann die Aktionäre « -Thousand Sunny’s Weblog- sagte
[...] November 4, 2008 Wenn man jemanden schützen sollte, dann die Aktionäre Posted by 1000sunny under Uncategorized Zur Zeit wird heftige Kritik geübt. Die Aktionäre bekommen ihre Dividenden aus den Rettungspaketen. [...]
1000sunny sagte
Die Aktionäre haben in dieser Finanzkrise laut FTD übrigens 5 Trillionen $ verloren.
Aki T. Arik sagte
Du sagst es: Frecher geht immer! Aber ich finde auch: Zynischer gehts nimmer. Wer hätte denn noch vor ein paar Monaten geglaubt, dass ausgerechnet die „weniger Staat, mehr Privat” – Radikalkapitalisten plötzlich zu den größten Staatshilfeempfängern aller Zeiten mutieren werden?
1000sunny sagte
Ist doch ganz kapitalistisch gedacht. Wenn der Staat ein paar Milliarden zu verschenken hat, dann nimmt man die gerne mit.