Es geht nicht um „Populismus“

Im Versuch den aktuellen weltweiten Rechtsruck zu verstehen wird sehr häufig auf den Begriff des „Populismus“ zurückgegriffen um dann z.B. darüber zu schwadronieren ob wir jetzt auch einen Linkspopulismus gegen den Rechtspopulismus brauchen oder wie schlimm das Internet ist, dass es so etwas möglich macht.

Ein paar Punkte dazu:

  1. „Populismus“ ist der Kern jeder repräsentativen Demokratie. Nur weil die einen etwas mehr poltern und die anderen mehr auf Staatsmann machen, ist das nicht mehr oder weniger populistisch. Es geht darum, gewählt zu werden. Guckt euch die Wahlwerbespots von Clinton an und sagt mir, die seien nicht populistisch.
  2. Man wird niemanden davon überzeugen einen Repräsentanten zu wählen, wenn man ihm komplizierte Dinge kompliziert erklärt. Das liegt in der Natur der Repräsentation. Wenn ich mich auf den Deal einlasse, dass mich jemand vertritt dann ist ja wohl das Mindeste, was ich davon erwarten kann, mich nicht mit lästigen Details beschäftigen zu müssen. Populismus ist schlicht und einfach die Jobdescription.
  3. Wenn man an den sogenannten Rechtspopulisten vor allem ihren Populismus kritisiert und nicht ihr rechts sein, dann bedeutet das nichts anderes, als dass man das rechts sein nicht sooo schlimm findet und nebenbei macht man noch deutlich, dass man sich für was besseres hält und im Gegensatz zu anderen die ach so komplexen Zusammenhänge versteht. Schöne Gelegenheit zur Distinktion.
  4. Das Problem am Linkspopulismus ist nicht der Populismus, sondern dass er halt meistens gar nicht so links ist. Z.B. gehört es zum Linkssein dazu, Repräsentation kritisch zu sehen (taktisch kann man das trotzdem auch mal machen, das ist nicht der Punkt). Wenn Linke ein Problem mit Linkspopulismus haben, dann haben sie also meistens ein Problem mit Repräsentation. Aber das liegt eben in der Natur der Sache. Man kann sich nicht auf dieses Spiel einlassen und dann meinen man müsste den Leuten nur alles lang und breit erklären, dann würden sie es schon einsehen. Das will natürlich niemand hören, weil es Teil des Deals ist, das nicht hören zu müssen.
  5. Wenn man Populismus kritisiert, dann versteckt man die eigentlich zu kritisierenden Dinge: Rassismus, Sexismus, Autoritarismus, Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit, Behindertenfeindlichkeit, Homophobie usw. usf. und natürlich auch den Kapitalismus.
  6. Einher mit einer Kritik am Populismus geht oft eine Kritik an dessen meist polternden Stil. Als sei ein stilvoller Sexismus und Rassismus irgendwie besser als einer ohne Stil. Viele Nazis hatten sehr viel Stil und haben trotzdem Massenmord begangen. Schon damals war die Hauptkritik der bürgerlichen Opposition übrigens tatsächlich oft eine stilistische.
  7. Die Kritik des Populismus ist eine Distinktionsveranstaltung des Bürgertums, dass sein Monopol auf Repräsentation gefährdet sieht und genau das macht den Reiz für viele Menschen aus.
  8. Faschismus ist immer ein Bündnis von Mob und Elite. Dieses Bündnis ist als Möglichkeit immer eingeschrieben in die repräsentative Demokratie. Das ist die Gefahr und nicht Fragen des Stils oder wie simpel oder kompliziert Erklärungen sind. Oder wie freundlich oder unfreundlich man bei Facebook miteinander umgeht.
  9. Ein Bündnis von Mob und Elite schmiedet man nicht ohne Poltern, das stimmt. Endlich redet mal jemand wie wir! Das ist sehr reizvoll für jemanden, der schon kulturell durch seinen Habitus von allem Einfluss auf seine Lebensumstände abgeschnitten ist. Und ja in diesem „redet jemand wie wir“ steckt halt meistens ganz viel Sexismus, Rassismus und die ganze Scheiße drin. Das liegt aber nicht dran, dass die Arbeiterklasse/Unterschicht/der kleine Mann von der Straße/… rassistischer oder sexistischer wäre, es liegt dran, dass sie es nicht so gut verstecken können, weil das nicht Teil der Kultur ist.
  10. Poltert nicht weniger sondern mehr! Nur poltert gegen die Richtigen! Oder lasst das poltern, aber dann haltet euch aus dem Repräsentationsspiel ganz raus. Was natürlich immer eine Option ist. Mach ich ja auch so.

 


Europa einen Kontinent zu nennen, ist rassistisch.

Ok, zugegeben. Steile These. Aber ich denke sehr einfach und stringent begründbar.

Zunächst einmal: Was ist ein Kontinent?

Es gibt ein schönes Video zum Thema (danke an @tehabe für den Tip):

die erklären das Problem der Definition für unlösbar, aber wenn die Internationale Astronomische Union so schnell aufgegeben hätte, wäre Pluto noch heute ein Planet. Deswegen sage ich:  Wenn Pluto kein Planet mehr ist, warum ist dann Europa noch ein Kontinent?

Alle anderen kontinentalen Grenzen sind wohl begründet, nur die zwischen Europa und Asien ist es nicht. Es ist absurd eine so lange Landgrenze zwischen Kontinenten haben zu wollen (ähnlich absurd, wie einen Zwergplaneten als Planet zu bezeichnen).

Die Probleme bei anderen Kontinentgrenzen, wie sie in dem Video gesehen werden, sind leicht auflösbar. Kleine Landbrücken, oder Land, das aus ewigem Eis statt aus Fels besteht sind nicht wirklich ein Problem für eine sinnvolle Definition. Eine Landgrenze, die tausende von Kilometern lang ist, jedoch schon.

Ursprünglich bezeichnete „Europa“ ja auch nicht viel mehr als „unsere Seite vom Mittelmeer“. Erst mit der Neuzeit und der kolonialen Expansion wurde aus Europa wirklich ein Kontinent im heutigen Sinn.

Und das genau begründet auch meine steile These im Titel: Dieses Anhängsel von Eurasien, das ernsthaft ja noch nicht mal als Halbinsel durchgeht in den Status eines Kontinents zu erheben ist Ausdruck europäischen Überlegenheitsanspruchs, also im Kern kolonialistisch und rassistisch.

Die Europäische Union setzt das ja heute mit Frontex auch immer noch sehr eindrucksvoll um. Deswegen wäre es ein großartiges Zeichen, wenn die Internationale Geographische Union dem Vorbild ihrer astronomischen Kollegen folgt und den wachsweichen historisch gewachsenen Kriterien (beziehungsweise ja eher der Abwesenheit von ihnen) welche entgegensetzt, die als Definition Sinn machen und Europa aus dem Kreis der Kontinente verweist, so wie Pluto aus dem Kreis der Planeten verwiesen wurde.

Kulturalistische und rassistische Vorurteile haben nämlich in Wissenschaft nix zu suchen.


Gedanken zu Blockupy und Rote Flora

Zwei Demos dieses Jahr, bei denen die Polizei eine ganz ähnliche Taktik fuhr: Unter irgendeinem absurden unverhältnismäßigen Vorwand wird die Demo schon kurz nach Beginn gestoppt und das Demonstrationsrecht außer Kraft gesetzt. Dennoch entwickeln sich beide sehr unterschiedlich weiter. In beiden Fällen kommt es zu massiver Polizeigewalt. Doch die Demos reagieren unterschiedlich: In Frankfurt lässt man sich im Grunde mehr oder weniger alles gefallen und leistet nur passiven Widerstand. Die Folge: Die Öffentliche Meinung ist ganz auf Seiten der Demo (was natürlich nix daran ändert, dass das Demonstrationsrecht trotzdem ausgehebelt wurde, es gibt auch bisher keine Konsequenzen, noch nicht mal ein Bauernopfer, im Gegenteil die damals schein-empörten Grünen arbeiten jetzt mit der CDU zusammen in Hessen).

In Hamburg kommt es zu aktiver Gegenwehr, Steine fliegen, Barrikaden werden gebaut. Ich bin sicher, dass ist genau das, was die Polizei haben wollte. Die lange vorher in den Medien geschürte Angst vor Krawallen sollte bestätigt werden. In Frankfurt ging die Strategie nicht auf, in Hamburg schon.

Viele, die den Zielen beider Demos nahe stehen, aber nicht direkt aus dem autonomen Spektrum kommen, ziehen daraus jetzt den Schluss, dass das Vorgehen in Frankfurt richtig und in Hamburg falsch war. Das mag sein, ich will das jetzt gar nicht grundsätzlich diskutieren, weil man dann wieder in die ganze Diskussion um strukturelle Gewalt, Wut, Pazifismus usw. einsteigen müsste. Das ist eine Diskussion die in der Linken ja traditionell viel Raum einnimmt und das ist auch gut so. Ich möchte nur in diesem konkreten Fall auf einen Unterschied der beiden Fälle hinweisen, nämlich die komplett unterschiedlichen Ziele der beiden Demos.

In Frankfurt ging es darum einen gesellschaftlichen Diskurs um die Eurokrise zu beeinflussen und den Widerstand gegen das Troika-Regime zur EZB zu tragen. In Hamburg ging es vor allem auch darum ein konkret von Räumung bedrohtes Projekt zu retten. Um die Ziele von Frankfurt zu erreichen braucht man einen langen Atem und viele Verbündete. Die braucht man auch für die Rote Flora. Aber wenn es konkret darum geht, die Räumung zu verhindern helfen Fernsehzuschauer, die ins Grübeln kommen angesichts von Polizeigewalt nicht wirklich viel. Deutlich zu machen, dass die Räumung teuer wird, hilft vielleicht eher. Insbesondere, da diese Strategie in Hamburg ja schon Tradition hat und in der Vergangenheit auch Erfolge aufweisen konnte.

Wie gesagt, ich möchte nicht die ganze Gewalt-Bei-Demos-Diskussion oder gar die ganze Diskussion ums Gewaltmonopol des Staates hier führen, ich möchte nur auf diesen wichtigen Unterschied hinweisen.

Diskuss!


Zehn dogmatische Anforderungen an Rollenspiel-Regeln

Ich bin ja ein großer Freund von Pen&Paper-Rollenspielen. Für mich stellt sich ein Großer Teil ihres Reizes aus dem Zusammenspiel der gemeinsamen Erzählung einer Geschichte mit einem Zufallsemelement, dass aber doch gewissen Regeln folgt, her. Dieses Zusammenspiel ist das besondere an dieser Kunstform, was man sonst nirgendwo erfahren kann (außer vielleicht im wirklichen Leben).

Deswegen sind für mich die Regeln beim Spielen genauso wichtig wie das Setting. Und ich mag auch reines Storytelling genauso wenig wie reine Würfelorgien. Auf die richtige Mischung kommt es an.

Über das Setting lässt sich nicht viel sagen. Da ist sehr viel denkbar und interessant. Ich persönlich mag das klassische Fantasy-Setting immer noch am liebsten, aber das ist sicher vor allem Geschmacksache. Deswegen gehe ich hier mal näher auf die Regeln ein. Nun gibt es da ja auch eine Vielzahl von Systemen und ich kenne sie selbstverständlich nicht alle (faktisch kenne ich sogar nur recht wenige), trotzdem maße ich mir hier mal an ein paar Dogmen aufzustellen, die ein gutes Regelsystem erfüllen muss um Spielleiter und Spieler dabei zu unterstützen die oben geschilderte Balance aufrecht zu erhalten.

  1. Das Grundregelwerk darf auf keinen Fall mehr als fünfzig Seiten umfassen und sollte möglichst Genre-unabhängig formuliert sein. Nur so ist zu gewährleisten, dass die wesentlichen Regeln von allen verstanden werden und nicht nach Jahren immer noch regelmäßige Regelerklärungen den Spielfluss hemmen. Optionale Regeln und Erweiterungen, die das Grundregelwerk an eine Spielwelt anpassen, können durchaus darüber hinaus gehen.
  2. Spielwelt und Regeln sollten möglichst unabhängig voneinander verwendbar sein. Deswegen ist für das Regelwerk eher ein hoher Abstraktionsgrad hilfreich.
  3. Lineare Wahrscheinlichkeitsverteilungen beim Würfeln sind so weit wie irgend möglich zu vermeiden. In der Realität sind Wahrscheinlichkeiten oft normalverteilt, deswegen stellt sich auch bei Benutzung von 2wX-Systemen ein realistischeres Gefühl ein als bei Verwendung von 1wX oder w%-Systemen. Dabei ist nicht zwingend nötig, dass die verwendete Regel wirklich zu einer exakten Normalverteilung führt. Wichtig ist aber, dass mittelhohe Werte häufig vorkommen und Extremwerte selten.
  4. Es sollte nur eine Sorte von Würfeln verwendet werden und davon auch nur wenige. Weder das Würfeln von Dutzenden von Würfeln noch das ständige Wechseln der Würfelart sind dem Spielfluss förderlich.
  5. Kampf- oder Magiesysteme sollten einerseits einen festen Rahmen vorgeben, aber andererseits flexibel sein. Deswegen: Keine riesigen Tabellen und keine langen Listen von Zaubersprüchen. Jede Aktion muss abbildbar sein. Die Fantasie der Spieler soll nicht durch die Regeln ausgebremst werden.
  6. Die Balance von Patzern und Kritischen Erfolgen muss stimmen. Weder darf ein guter Charakter völlig sicher vor Patzern sein (auch wenn ihre Auswirkungen nicht mehr so massiv sein sollten), noch darf ein Anfänger nicht auch die Chance auf einen gelegentlichen Kritischen Erfolg haben. Beide sollten jedoch nicht zu häufig vorkommen. Nur so können im Spiel wirklich dramatische und von allen Beteiligten unvorhergesehene Situationen erzeugt werden. Und das ist letzten Endes der Sinn davon, dass man überhaupt würfelt. Als Faustregel: 1% Patzerchance hat sich bewehrt. Im Gegenteil zum Dogma 2 dürfen Patzer durchaus linear verteilt sein, weil sie selten genug sind, dass das nicht auffällt. Kritische Erfolge kann man gut durch irgendeine Form von „weiterwürfeln“ ermöglichen. Das gibt dem Würfelereignis einen zusätzlichen Spannungsbogen.
  7. Das Lernsystem sollte zu mindestens der Hälfte an die Verwendung von Fertigkeiten gekoppelt sein. Lernen über Geld oder über schlichtes Schlachten ist zu vermeiden.
  8. Verwende Formeln statt Tabellen. Das macht die Regeln schlanker und konsistenter. Für mathematisch Herausgeforderte kann man jederzeit jede Formel auch als Tabelle darstellen. Umgekehrt ist das nicht immer auf einfache Art möglich.
  9. Die Charaktererschaffung darf für einen erfahrenen Spieler nicht länger als eine halbe Stunde dauern, wenn er bereist eine konzeptuelle Vorstellung von seinem Charakter hat.
  10. Es darf keine festgelegten Charakterklassen geben. Charaktere sollen so unterschiedlich sein wie die Spieler. Dennoch sollte Spezialisierung einen Vorteil bringen (ohne zwingend zu sein), damit eine Runde aus unterschiedlichen Charakteren besteht, die erst in der Zusammenarbeit Erfolg haben.

Das alles soll jetzt nicht heißen, dass man nicht auch mit Rollenspielen Spaß haben kann, die nicht diesen Dogmen genügen, insbesondere wenn das Setting originell ist. Aber ich denke dann immer: Schade, mit besseren Regeln hätte es mehr Spaß machen können.

Falls ihr ein System sucht, dass all diesen Dogmen weitestgehend entspricht, empfehle ich ERPS. Auch wenn es in manchen Punkten auch nicht 100% passt. Ein viel zu selten gespieltes System. Neuerdings ist es auch unter CC-Lizenz zum Download haben.

Kennt ihr noch andere Systeme, die diesen Anforderungen genügen? Habt ihr noch andere Dogmen? Welche dieser Dogmen findet ihr falsch? Und warum?


Ein unzulässiges Argument gegen die Unsterblichkeit

Viele Menschen wollen sterben. Das ist etwas, was ich nicht so ganz verstehe. Also ich meine jetzt nicht Menschen, die aus Depression oder weil sie einfach genug haben sich das Leben nehmen wollen sondern ich meine Menschen, die grundsätzlich den Tod für eine sinnvolle Einrichtung halten.

Ich will jetzt gar nicht auf die ganzen Verästelungen dieser viel zu selten geführten Debatte eingehen und mir geht es hier jetzt auch nicht darum, ob es überhaupt mögilch ist, den Tod zu besiegen. Es geht nur darum ob es wünschenswert wäre zu sterben, wenn man es vermeiden könnte. Und auch dabei geht es mir nur um ein häufig gehörtes Arument, nämlich folgendes: Das Leiden.

Viele Menschen argumentieren damit, dass einen der Tod am Ende doch vom Leiden (in welcher Gestalt auch immer) erlöse und alleine deswegen schon wünschenswert sei. Was sie dabei vergessen: Ein solches Leiden müsste selbst mit unendlich viel Zeit nicht zu beheben sein um das Sterben sinnvoll zu machen. Eine chronische Krankheit? Kein Problem, ich leide endlich lange bis jemand ein Heilmittel dagegen erfindet und danach habe ich noch unendlich lange Zeit das Leben ohne diese Krankheit zu genießen. Arbeit? Kein Problem, ich warte einfach auf den Kommunismus, oder doch wenigstens auf die Rente. Einsamkeit? Auch dafür wird sich doch sicherlich mit unendlich viel Zeit eine Lösung finden.

Die Freunde des Sterbens mögen jetzt einwenden, dass es aber immer wieder neue Formen des Leidens geben mag, die einen plagen. Ich sage: Dann wird sich auch dafür eine Lösung finden. Was die Befürworter des Todes uns also eigentlich sagen wollen: Das Leiden ist nicht zu verhindern. Und das ist eine Einstellung, die sich sehr wohl auch auswirkt in einem Leben in dem wir zur Zeit halt nun mal alle sterben müssen. Und ich denke nicht zum Guten.


Projektpartner_innen gesucht

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen neben Arbeit, Familie, Zocken und Ehrenamt auch noch Zeit zu finden um eigene Projekte voranzutreiben. Das hat in letzter Zeit leider nicht mehr so gut geklappt. Das hat sicherlich vielfältige Gründe. Teil der Ursache ist wohl aber, dass ich mich verzettelt habe und aber auch, dass ich in all dem Kram, den ich so auf dem Schirm hatte, immer mehr oder weniger als Einzelkämpfer unterwegs war.

Aus diesem Grund habe ich mir vorgenommen mir für die nächsten Monate ein einzelnes Projekt aus dem ganzen Strauß von angefangenem Zeugs raus zu picken und das dann wirklich effektiv voranzutreiben und womöglich sogar zu einem Ende zu führen. Da ich gerade selber nicht wirklich eine Priorität habe, aber durchaus den dringenden Wunsch nach Zusammenarbeit, würde ich mich bei der Wahl des Projektes also signifikant an euch orientieren. Zusammen inspiriert und motiviert es sich einfach besser. Mein eigenes Zeitbudget, dass ich da einbringen könnte beläuft sich so auf ca. 4-6h die Woche, zwischendurch auch mal mehr.

Wenn jemand eines der Projekte hier unten so interessant findet, dass er_sie mit mir zusammen einen Teil seiner_ihrer Freizeit rein stecken mag, meldet euch! Eine wichtige Bedingung für mich wäre aber bei allem, dass ihr keine finanziellen Erwartungen mit dieser Zusammenarbeit verknüpft. Es soll schließlich nicht in Arbeit ausarten. Umgekehrt muss das aber auch nicht ausschließen, dass es auch irgendwann mal finanziellen Benefit gibt, aber die Commons gehen vor. Selbstverständlich geht es auch nicht darum, dass ihr nur mein Projekt mit umsetzen sollt, sondern dass wir gemeinsam Ideen entwickeln und umsetzen. Sieht man dann ja, obs passt.

So jetzt aber endlich zu den einzelnen möglichen Projekten.

Bereich Spieleprogrammierung

Ich hab eine lange Karriere als (mehr oder weniger „gescheiterter“) Spieleautor und -Programmierer hinter mir und hab jahrelang als Softwareentwickler (sowohl für Geld als auch in meiner Freizeit) gearbeitet. In den letzten Jahren ist beides etwas eingeschlafen, aber da gibt es durchaus noch einige Fäden, die ich gerne wieder aufnehmen würde. Bedingung für alles ist, dass der entstehende Code zu 100% FLOSS wird. Als da wären:

  1. Eine neue Version von Aymargeddon (ein altes massiv-multiplayer-browser-strategisches-Verhandlungsspiel von mir) nach dem Stand der Technik, also z.B. als plattformübergreifende, mobiltaugliche HTML5-Anwendung. Es gibt da wohl auch interessante Frameworks, die einem das erleichtern (Bin da aber noch ganz am Anfang der Recherche). Leider kenne ich mich selbst überhaupt nicht aus mit diesem modernen Schnickschnack. Ich kann zwar Perl und C++, aber Javascript und HTML5 ist für mich Neuland. Das bedeutet also, dass es da erst eine lange gemeinsame Lernphase gäbe oder jemand eher den Programmierpart übernimmt und ich mich um den Rest (Regeldesign, Koordinierung, Grafiker_innensuche, Testspieler_innensuche, …) kümmer. Möglicherweise könnte man den serverseitigen Code zumindest zum Teil weiterverwenden (der ist in Perl und da könnte ich auch ohne große Einarbeitung dran weiter arbeiten).
  2. Ähnliches gilt für zwei neue Spielentwürfe, die noch ganz ohne jede Umsetzung sind. Beide wären vom Konzept her neuartige location-based-mobile-games. Das eine wäre mittel- und das andere eher sehr aufwändig. Wenn jemand da grundsätzliches Interesse dran hätte, würde ich ihm_ihr die Konzepte zuschicken. Aber im Detail führt das jetzt hier zu weit.

Bereich Politik und Wissenschaft

Ich bin seit Jahren u.a. im Keimformblog als Autor von politisch-philosophischen Texten unterwegs. Auch das ist in letzter Zeit etwas eingeschlafen. Offene Enden, die ich da gerne mit euch zusammen wieder aufnehmen würde:

  1. Ausarbeitung eines grundsätzlichen politisch-programmatischen Textes rund um Kommunismus und Commons Based Peer Production. Ich hab da schon ein paar Seiten geschrieben, aber mir fehlt der Austausch um das voranzubringen. Der momentane Text hat sehr starken Manifestcharakter, aber ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob das das richtige Format ist. Manifeste sind irgendwie ein bisschen out auch wenn ich ein bisschen Pathos manchmal gar nicht so schlecht finde. Den Anfang des bisherigen Textes gibts hier. Bei Interesse mehr.
  2. Ich hab vor Jahren mal ein „Forschungsprojekt“ rund um den Themenkomplex lange Wellen, Moores Law, Singularität und Informationsgesellschaft angefangen. Da sind für mich immer noch sehr viele Fragen offen und irgendwie bearbeitet das niemand sonst in der Weise, wie mir das vorschwebt (auch innerhalb der Keimform-Crew nicht). Auch hier fände ich es super, wenn man da was gemeinsam machen könnte. Hier meine bisherigen Texte zum Thema:
    http://keimform.de/2008/thesen-zum-informationskapitalismus-2/
    http://keimform.de/2008/die-lange-welle-bricht/
    http://keimform.de/2008/open-source-biotech/
    http://keimform.de/2008/moores-law-und-die-vermessung-der-masslosigkeit/
    http://keimform.de/2008/long-cycles-zwischenstand/
    http://www.opentheory.org/infokapitalismus/text.phtml
    http://aymargeddon.de/laboratorium/index.php/Benutzer:Benni/Konspekt_Goldstein_1988

Sonstiges

Ich würde mich gerne auch mal als Belletristikautor versuchen. Leider ist das ja meistens immer eine sehr einzelkämpferische Sache, aber das muss ja nicht so sein.

Am liebsten würde ich das Fantasy-Genre etwas aufmischen. Leider gibt es da immer noch sehr viel strukturell reaktionäres Zeugs. Ich bin aber andererseits ein großer Fan von Fantasyrollenspielen und deswegen ärgert mich das und ich glaube das muss auch nicht so bleiben.

Bedingung hier wäre aber schon, dass die Geschichten in einer Welt spielen, die ich mit meiner Rollenspielrunde gerade beschreibe (Mitglieder dieser Runde sind leider von der Teilnahme ausgeschlossen, sonst würde ich denen zu viel verraten müssen). Wenn ihr da Interesse habt, würde ich euch den bisherigen Stand der Weltbeschreibung und eine erste Geschichte zuschicken. Ich kann mir da auch ganz unterschiedliche Arten der Zusammenarbeit vorstellen. Eine_r macht den Plot, eine_r schreibt eher, oder man schreibt zusammen, z.B. nach handelnden Charakteren aufgeteilt oder auch direkt als gemeinsamer Text z.B. per Etherpad. Auch in der Textsorte, die man sich als Ziel aussucht kann ich mir viel vorstellen, von Blog bis Roman.

Unabhängig von diesem Projekt wäre ich natürlich auch daran interessiert, wenn jemand diese Welt mit seinen eigenen Rollenspielrunden bevölkern und gemeinsam mit mir weiter ausarbeiten möchte.


Warum Stuttgart?

Seit Wochen rätselt die ganze Republik, warum der Protest und der Widerstand gegen Stuttgart 21 so dauerhaft, hartnäckig und stark ist, wie seit Jahren nicht mehr. Ich frage deswegen einfach mal in die Runde. Ich würde mich freuen, wenn ihr diese Umfrage an die Beteiligten weiterreicht. Wählt die drei Antworten, die eure wichtigste Motivation sind. Wenn eure wichtigen Motivationen nicht dabei sind, ergänzt das bitte in den Kommentaren.