Die Fehler des Kapitalismus

Franz Schäfer schreibt einen sehr schönen Artikel darüber, was eigentlich das Problem ist mit dem Kapitalismus und der enthält den wirklich wunderbaren Satz:

„Wer den Kapitalismus nicht überwinden will hat ihn nicht verstanden.

Natürlich hab ich trotzdem was zu meckern:

Einen extrem wichtigen Punkt hat Franz vergessen: Der Kapitalismus ist immer angewiesen auf ein Außen, auf Arbeit die getan wird ohne ausreichend bezahlt zu werden. Reproduktionsarbeit, Caring Labour, etc. Der Kapitalismus wird niemals seine Kinder zu 100% selber großziehen können. Nanny-Kapitalismus ist ein Ding der Unmöglichkeit. Statt dessen wird ein existenziell wichtiger Teil menschlichen Lebens abgespalten und aussortiert. Darunter leiden die Menschen alle – aber am meisten die Kinder, die Alten und Kranken. Und dann leiden diejenigen, die in einer Gesellschaft, die sie nicht vorsieht, dennoch diese Tätigkeiten ausüben müssen: meistens Frauen. Dieser Punkt ist leicht zu übersehen, weil er natürlich nicht nur im Kapitalismus ein Problem ist, sondern auch in vielen anderen, älteren patriarchalen Gesellschaftsformen. Dennoch gibt es auch heute noch Matriarchate, die zumindestens dieses Problem nicht haben oder nicht in diesem Ausmaß. Leseempfehlung dazu: Das Matrarchat-Blog von Hannelore Vonier, das eine gute Inspirationsquelle ist.

Und noch eine kleine Anmerkung: Franz schreibt zum Schluß:

„Interessant für einen weiteren Artikel ist es sicherlich sich einmal genauer anzusehen welche dieser Nachteile schon in der Marktwirtschaft ihre Wurzeln haben und wo „erst“ der Kapitalismus die Probleme bringt. „

Hm. Was ist „Marktwirtschaft“ anderes als ein Euphemismus für „Kapitalismus“? Deswegen versteh ich den Sinn dieser Frage nicht so ganz. Na, aber das wird Franz ja dann vielleicht demnächst erklären.

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7 Kommentare on “Die Fehler des Kapitalismus”

  1. Peter sagt:

    Ohne vom Kapitalismus besonders begeistert zu sein: viele dieser ‚Argumente‘ sind schlicht lächerlich. Was soll zum Beispiel das gerede über die Ineffizienz, die daraus resultiere, dass mehrere Firmen gleichzeitig forschen? Darf ich anmerken, dass Forschung sich vornehmlich mit Dingen beschäftigt, die wir noch nicht wissen? Wenn man nicht naiv genug ist, auf die Allwissenheit irgendwelcher Bürokraten zu vertrauen, ist es daher gar keine dumme Idee, dass mehrere Ansätze im Wettbewerb versucht werden. Und da sehr häufig die Umsetzung von Forschung in Produktion ein vielfaches der reinen Forschungskosten erfordert, braucht es einen Mechanismus, über den die Allokation von Ressourcen gesteuert wird.

    Nicht, dass der Kapitalismus so furchtbar effizient arbeiten würde. Aber es ist sehr schwer zu sehen, wie ein besserer Vorschlag aussehen sollte, wenn man eine simple Tatsache ernst nimmt: wir alle sind nichts als Kolonien von Einzellern, die irgendwie als Resultat der Evolution entstanden sind. Sicher, eine vergleichsweise große Zahl unserer Zellen bilden ein zentrales Nervensystem. Nichtsdestoweniger tappsen wir ziemlich blind durch unsere Welt und brauchen Strategien, die zu spielen wir nicht zu dumm sind. Und das ist eine ausgesprochen harte Forderung: ich zum Beispiel bin mittlerweilen zu blöd, ein solches relativ einfaches Problem wie das Schachspiel gut genug zu verstehen, um gegen Computer zu gewinnen, welche dieser ach so schrecklich ineffiziente Kaptialismus zu Preisen herzustellen vermag, die ich mir leisten kann.

  2. Benni sagt:

    @Peter: Du sprichst von „vielen“ Argumenten die „lächerlich“ seien. Nennst aber nur eines. Das eine hast Du meiner Meinung nach falsch gelesen. Dort wird ja nicht behauptet, dass Konkurrenz immer ineffizient sei, sondern dass sie es in vielen Fällen sei. Das kann man wohl kaum abstreiten, oder? Gerade im Bereich der Forschung und Entwicklung hat sich ja im Kapitalismus nun eine Arbeitsteilung eingebürgert, dass die Grundlagenforschung meistens kooperativ (staatlich oder über quasi-staatliche Organisationen wie die DFG) finanziert wird, wärend die Anwendungsorientiertere Entwicklung konkreter Produkte meist von Firmen übernommen wird. Dein Argument des Ausprobierens verschiedener Ansätze trifft nun zum einen eher den Bereich der Grundlagenforschung und zum anderen spricht ja auch nichts dagegen auch in einem kooperativ organisierten Umfeld mehrere Ansätze auszuprobieren. Genau das passiert ja auch.

    Das eine Alternative „schwer zu sehen“ sehen ist, da hast Du sicherlich Recht. Das etwas schwer zu sehen ist, heisst ja aber weder, dass man es nicht doch sehen könnte, wenn man sich Mühe gibt, noch, dass es nicht vielleicht objektiv nötig sei danach zu suchen. Letzteres wiederum erscheint mir angesichts der Zustand der Welt ziemlich leicht zu sehen. Mehr dazu findest Du bei keimform.de.

    Zum Schachspiel: Vesuchs mal mit Go 😉

  3. Gerhard Göbl sagt:

    Hallo,

    du hast ja in vielen Punkten mit Deiner Kritik recht, mir fehlt nur ein Verbesserungsvorschlag.
    Ich glaube Du kannst mir zusimmen, dass in kapitalistisch dominierten Wirschaftssystemen auch die „Nichtkaptalisten“ besser leben als in denen der gelenkten Marktwirschaft. Für mich git für den Kapitalismus das, was Churchill über die Demokratie gesagt hat: Die Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen, aber ich kenne keine bessere.

  4. Benni sagt:

    @Gerhard: Eine Milliarde Menschen hungern im globalen Kapitalismus. So viele wie noch nie (auch prozentual). Das kann man wohl kaum „besser leben“ nennen. Wir leben hier auf einer Wohlstandsinsel und das auf Kosten von anderen. Dass die „gelenkte Marktwirtschaft“ (meinst Du die Planwirtschaft?) auch nicht das gelbe vom Ei ist – bzw. war – ist trotzdem klar.

    Zu den Alternativen: Danach suchen wir auf keimform.de. Jeder ist aufgefordert sich an dieser Suche dort oder sonst wo zu beteiligen. Commmons based Peer Production ist für mich dabei ein wichtiger Ansatz.

  5. Anja sagt:

    Hallo,

    ich schreibe gerade an einer Rede, die den Kapitalismus, oder sollte ich sagen „Neo-kapitalismus“, in dem wir uns befinden, anklagt. Immerhin sind wir als die klügsten Wesen auf Erden dazu verpflichtet, wohlbesonnen mit unserem Planeten, sowie dessen Bewohnern umzugehen. Unsere Aufgabe ist nicht Herr, sondern Hirte zu sein.
    Ich habe schon einiges recherchiert und denke, dass der Kapitalismus, diese Jagd und unersättliche Gier nach Geld wohl das größte Problem dabei ist.
    Der Artikel und eure Kommentare sind überaus nützlich und hilfreich für meine Arbeit. Hättet ihr vielleicht weitere Ideen und Denkanstöße für mich?
    Danke recht recht herzlich

  6. Benni sagt:

    @Anja: So allgemein fällt mir das schwer. Hast Du konkrete Fragen?


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