Bundesverfassungsgericht für Menschenzucht

Das in letzter Zeit ja zu unrecht so viel gelobte Bundesverfassungsgericht hat sich jetzt einen wirklichen Hammer geleistet. Zum einen fällt es die mir nicht nachvollziehbare Entscheidung, dass einvernehmlicher Geschlechtsverkehr unter Geschwistern weiter strafbar bleibt. Das an sich finde ich schon skandalös. Wirklich krass wird es aber, wenn man sich Teile der Begründung ansieht, so heisst es da:

„Der Gesetzgeber hat sich zusätzlich auf eugenische Gesichtspunkte gestützt und ist davon ausgegangen, dass bei Kindern, die aus einer inzestuösen Beziehung erwachsen, wegen der erhöhten Möglichkeit der Summierung rezessiver Erbanlagen die Gefahr erheblicher Schädigungen nicht ausgeschlossen werden könne. Im medizinischen und anthropologischen, von empirischen Studien gestützten Schrifttum wird auf die besondere Gefahr des Entstehens von Erbschäden hingewiesen.“

Das heisst also man darf jedem Sex verbieten, nur wenn die Gefahr besteht, dass dabei „erhebliche Schädigungen“ auftreten können? Als nächstes dürfen dann Behinderte nicht mehr miteinander? Hatten wir das nicht schon mal? Ich schließe mich da lieber diesem Absatz in der Wikipedia an (den NPOV-Konjunktiv denkt euch einfach weg):

„In neuerer Zeit wird verschiedentlich argumentiert, dass das Inzestverbot im Prinzip überflüssig sei, da die genetisch bedingten Risiken für den aus Inzest resultierenden Nachwuchs bekannt seien und das Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung höher zu werten sei. Zudem sei das Ziel eines solchen Verbots unklar, da die Verhütung potenziell erbkranken Nachwuchses kein Ziel des Staates sei. Es gilt aber in jedem Fall als notwendig, alle Inzestwilligen über diese Risiken und ihre Vermeidung (mittels Empfängnisverhütung) aufzuklären.“

klingt doch eigentlich völlig logisch.

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10 Kommentare on “Bundesverfassungsgericht für Menschenzucht”

  1. classless sagt:

    Aber was das ganze behinderte Kroppzeug dann kostet! Und die verschandeln das Stadtbild!

    Remember: Vor den Juden kamen die Behinderten in den Ofen, sozusagen der Unwert. Aber sie sind immer noch unter uns!

  2. Benni sagt:

    @god: Ganz so einfach ist es laut Wikipedia nicht:

    In Bezug auf die weit verbreitete Geschwisterheirat bei den Pharaonen:

    „Ihre Ursache lässt sich aus den antiken Quellen nicht exakt klären, ethnologisch werden sie als Resultat der Machtzentralisierung bei matrilinearer Erbfolge von Hohepriesterinnen bei gleichzeitiger Patrilinearität einer Erbmonarchie angesehen. „

  3. neuronal sagt:

    Ich bin ziemlich sicher, dass man für die Erklärung von Inzest keine kulturgeschichtliche Herleitung braucht, höchstens vielleicht für das entsprechende Tabu.

    Immerhin ist die „abweichende Meinung“ von Richter Hassemer ganz okay, im Grunde zerlegt er das Urteil vollständig und an allen relevanten Punkten. (vor allem: „Eine Berücksichtigung eugenischer Gesichtspunkte ist von vornherein kein verfassungsrechtlich tragfähiger Zweck einer Strafnorm.“). Nur halt einer gegen acht…

  4. Apropos Menschen mit Behinderung: ich arbeite zufällig mit geistig behinderten Menschen und muss sagen, dass das rechtliche Selbstbestimmungsrecht bezüglich Sex einen sehr hohen Stellenwert hat. Einschränkungen diesbezüglich gehen meist von den Angehörigen aus.

    Zur Geschwisterliebe: warum nicht, wenns freiwillig ist

    @Classless:
    „Aber was das ganze behinderte Kroppzeug dann kostet! Und die verschandeln das Stadtbild!“
    Selbst wenn das ironisch sein soll, diese Sprache ist ätzend und abartig. Wenn ich sowas Unterschubladiges lese muss ich fast kotzen.

  5. Benni sagt:

    @Achterbahnfahrer: Ich glaube classless wollte ja gerade durch diese abartige Sprache deutlich machen, wie abartig das Urteil ist. Wenn Du seinen Text, den er verlinkt hat liest, wird das deutlich. Es war also wohl weniger ironisch, als vielmehr zynisch.

  6. Falscher Name sagt:

    Nazispam entfernt

  7. Benni sagt:

    Ich frag mal in die Runde: Soll man sowas löschen? Oder stehen lassen weil es den Skandal besonders gut illustriert? Sorry, dass ich nicht eher auf diesen Spam reagiert hab, war zwei Wochen ohne Internet.

  8. Rudolf von Helden sagt:

    Benjamin
    Sohn meiner Rechten
    (Aus die schönsten jüdischen Vornamen)

  9. Benni sagt:

    @Rudolf: Und was soll mir diese kryptische Bemerkung jetzt sagen?


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