Nikephoros endlich bei den Großen aber Freie Spiele immer noch am Katzentisch

So, hier hab ich mal einen historischen Moment protokolliert. Endlich darf Nikephoros bei den Großen mitspielen und durchs Portal gehen.

Nikephoros bei den Großen

Auf der anderen Seite sieht es dann auch gleich angemessen spektakulär aus:

Hinterm Portal

Und der Sprung ist ja auch ansonsten sehr dramatisch. Die Questbelohnungen sind alle doppelt so gut, die Dropitems auch und wenn man nicht aufpasst wird man von irgendwelchen riesigen Maschinen im vorbeigehen zerquetscht. Die alte Welt ist da quasi sofort völlig uninteressant geworden.

Das ist mir nicht ganz klar wieso Blizzard da einen so scharfen Trennstrich gezogen hat. Naja, wahrscheinlich mußte man damals als Burning Crusade rauskam die ja extra zahlenden Kunden doch sehr deutlich motivieren und tatsächlich wird sich wohl kaum jemand finden, der WoW länger spielt und Burning Crusade nicht kauft. Ziel erreicht. Aber von der eigentlichen Spiellogik her betrachtet ist das blöd. Gerade die letzten Level in der alten Welt sind ziemlich nervig. Alle Freunde, die schon einen Tick weiter sind kommen nur noch genervt zurück um mit einem zusammen zu spielen. Ganz viel ehemaliger Endgamecontent ist eigentlich unnötiger Bitballast auf der Platte geworden. Ist doch schade drum. So ist er halt der Kapitalismus: Selbst als Spiel dysfunktional.

Umgekehrt ist es aber glaube ich auch kein Zufall, dass es im Spielebereich noch immer keine (oder nur wenige) Optionen gibt, die in der Lage wären die Computerspielbranche auszukooperieren. Das alte geschlossene Entwicklungsmodell hat nämlich gerade bei Spielen einen wichtigen Vorteil: Man kann Content geheimhalten. Und gerade das ist es ja was viele Spiele interessant macht: Neues entdecken. Wenn das alles eh schon prinzipiell bekannt ist, kann man die Spieler nicht so gut bei der Stange halten. Dazu kommt dann noch, dass Spielprojekte heute mit einem gigantischen Aufwand betrieben werden, der Hollywood alt aussehen läst. Sowas kann man natürlich nicht eben mal so mitmachen. Und ein Onlinespiel wie WoW mit 10 Mililonen Spielern braucht natürlich auch jede Menge Serverpower und Bandbreite. Das bewegt sich wahrscheinlich in Wikipedia-Größenordnungen und die brauchen ja inzwischen auch ein Millionenbudget.

Beides gilt aber glaube ich nicht für eine flexible und zeitgemäße Spiele-Engine. Das wäre der Bereich auf den sich Freie Spiele-Entwickler konzentrieren sollten, zumindestens unter diesem strategischen Bickwinkel. Der Trend, dass Hardware jetzt wirklich billiger wird und man nicht ständig die neueste braucht um neue Spiele spielen zu können ist da sicher hilfreich, weil sich dann auch so eine Engine über Jahre hinweg entwickeln könnte. Wenn es dann mal irgendwann billiger für eine Spielefirma und besser für die Spieler wird, die vorhandene Freie Engine zu nutzen, ist man einen großen Schritt weiter. Dann müsste man auch noch Spielkonzepte erarbeiten, die Community-generierten Content ermöglichen und von diesen beiden Seiten aus kann man dann die Spieleindustrie in die Zange nehmen so daß ihnen nix mehr zu tun bleibt. Das halte ich für ein sinnvolleres Konzept als den Versuch ein Spiel einfach frei zu kaufen, wie es die Virtual Citizenship Association versucht hat und noch weiter versucht.

Na sowas, jetzt hab ich so harmlos angefangen und am Schluß hätte der Beitrag eigentlich besser nach keimform.de gepasst. Na egal, ich lad jetzt nicht die Bilder da wieder hoch. Trackback muss reichen.

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9 Kommentare on “Nikephoros endlich bei den Großen aber Freie Spiele immer noch am Katzentisch”

  1. Michael sagt:

    Da („Keimform“ / Auskooperieren) treffen wir uns ja wieder, interessant (Stichwort: „Content geheimhalten“).
    Ich habe da so eine Hoffnung, daß „Theorie“ nicht aus einer Versammlung von Statements und Behauptungen besteht, sondern erzählt erden kann. Danke für den Beitrag.

  2. Michael sagt:

    Ich habe vergessen, auf meinen eigenen Versuch zu verweisen, von Theorie zu erzählen.

  3. Christine sagt:

    Hm, das Thema „Spiele auskooperieren“ hätte es eigentlich verdient, gründlicher angegangen zu werden. Zum Beispiel mit ner vollständigen Argumentation und Belegen oder so. Dafür wärst Du bestimmt auch der Richtige, denn Du kennst Dich in dem Bereich aus.

    Die andere Möglichkeit wäre, zu dem Thema einfach nur stammtischmäßig zu Plaudern und interessante Fragen aufzuwerfen. Das kann auch nett zu lesen sein. Aber Du willst ja anscheinend schon DEINE Erkenntnis verbreiten. Das beißt sich irgendwie…. 😦

  4. Benni sagt:

    @Christine: Wenn Du scheinbar nicht zufrieden mit meiner unvollständigen Argumentation bist, würde es mich freuen zu hören, wo Du sie für unvollständig hältst.

    Mit Belegen kann ich aber sicher nicht dienen. Wie sollte das denn gehen? Ich hab sicherlich nicht Zeit und Geld um irgendwelche aufwendigen Studien zu machen.

    Und zum Stammtisch: Das ist doch gerade das Wesen des Stammtischs, dass da jeder seine Wahrheit verkünden kann. Deswegen schreib ich ja auch ein Blog und keine wissenschaftlichen Artikel. Eigentlich sollte das aber gerade dazu anregen, dass andere auch ihre Wahrheit beitragen können und das daraus dann was neues entstehen kann. Aber dazu scheine ich dich nicht animiert zu haben, was doof ist.

  5. Christine sagt:

    Also fertige Behauptungen und vereinfachende Erkläungsmodelle finde ich nicht besonders anregend. Es sei denn, sie wären genial. Fragen finde ich interessanter. Wenn der Tonfall fragender, plaudernder wäre, könnte man es als unverbindliches Brainstorming verstehen. Aber das kommt für mich völlig anders rüber.

    Warum es mir zu oberflächlich ist:
    Du stellst zuerst fest, dass es wenig Optionen gibt, die Spieleindustrie auszukooperieren, aber welche Optionen meinst Du und wie kommst Du darauf? Das steht einfach als Behauptung in der Luft.

    Neues entdecken ist EINE Sache, die Computerspiele interessant machen kann. Das schließt Du aus Deinem eigenen Erleben und setzt es absolut. Auf andere Möglichkeiten gehst Du nicht ein, beziehst Dich aber auf Spiele allgemein. Darüber, was der Reiz bei Computerspielen ist oder sein kann, gibt es inzwischen schon Literatur. Nicht viel, und nicht viel Einigkeit, aber immerhin. Eine komplexe, superinteressante Sache.
    Das Problem mit dem Contentgeheimnis, das Du ansprichst, ist interessant. Aber ich finde, Du fertigst es zu schnell ab. Beschließt einfach, dass es unmöglich zu lösen sei. Vielleicht gäbe es ja Möglichkeiten das organisatorisch zu lösen? Und wie ging man bisher mit dem Problem um? Was war in Muds eigentlich?

    Auch die Frage nach dem Aufwand fertigst Du lieblos ab. Was ist eine aufwändige Produktion? Was meinst Du damit? Geht es um das Budget? Um die Zeit? Um die Zahl der Mitarbeiter? Um die eingesetzte Technik? Oder darum, dass man hochprofessionelle, d.h. spezialisierte Leute verpflichten kann? Oder um den Einsatz bestimmter Technologien, zum Beispiel beim Rendern von Bewegungen mit realen Schauspielern als Vorbild? Was davon braucht man, um ein gutes Spiel zu machen? Bzw, in welcher Art kann ein Spiel ohne all das trotzdem gut sein? Reicht überhaupt „gut“? Müsste man nicht den Massengeschmack befriedigen? Und ist es nicht auch die riesige Marketing-Maschinerie, gegen die man kaum ankommen kann? Wenn Du von Serverkapazitäten sprichst, darasu schließe ich, dass es Dir wahrscheinlich eher um ein Angebot von Parallelwelten geht als um Computerspiele allgemein? Das wäre ein interessanter Blogartikel.
    Du ziehst die Parallele zu Hollywood, dann geh doch den Weg zuende und frage, ob es aus dem Filmbereich Erfahrungen gibt, die man übertragen könnte… oder wo sind die Unterschiede? Was ich bisher auch noch nicht verstanden habe ist, wie es mit der Kunst funktioniert. Manche Filme leben von Einzelgenies wie Kameramännern oder so…
    Fragen über Fragen, und das wäre erst der Anfang….

  6. Benni sagt:

    @Christine: Ah, dann hab ich Dich ja doch noch angeregt. Vielleicht nehm ich mir die vielen Fragen mal in einem eigenen Artikel vor. Interessant sind sie alle mal. Das ist doch schonmal eine gute Sammlung für den Anfang.

    Aber es muss doch auch mal erlaubt sein einfach mal ein paar testweise Behauptungen aufzustellen, oder? Wenn sie dann so viele Fragen auslösen wie in diesem Fall, dann kann ich mir eigentlich garnix besseres vorstellen 😉

  7. Christine sagt:

    Deine rosa Brille möchte ich auch mal haben! „angeregt“!! Pah! Aufgeregt hast Du mich!

    „testweise Behauptungen aufstellen“ ist ein sehr beschönigender Ausdruck. 😉 Ich möchte mal anmerken, dass das Internet voll ist mit „testweise aufgestellten Behauptungen“…..Da wünsche ich mir doch von Dir eher, dass Du ein paar schöne Fragen beisteuerst (wenn für schöne Antworten schon kein Platz ist).
    PS: Hier gibts ein Buch von Klimmt zu dem Thema, warum Computerspiele Spaß machen:

  8. Christine sagt:

    Noch ein Versuch, den Link einzufügen:
    Buch

  9. Benni sagt:

    Tut mir leid, wenn ich Dich aufrege. Aber zu einem Brainstorming gehören eben auch mal „testweise Behauptungen“. Und ich wüsste nicht, warum ich das nicht auch „im Internet“ dürfen soll. Das erfordert dann eben Medienkompetenz der Leser zu unterscheiden was einen höheren Wahrheitsanspruch hat und was nur „testweise Behauptungen“ sind.

    Und im übrigen halte ich auch weiterhin an den obigen Aussagen fest, nicht das jetzt ein falscher Eindruck entsteht. Ich halte das für zumindestens plausibel ohne das es jetzt die alles erklärende allein seligmachende Theorie wäre.


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