Ferkelbuch again

Ich schrieb ja vor einiger Zeit hier über den Indizierungsfall mit dem Ferkelbuch. Jetzt – wo das ja schon lange niemanden mehr interessiert – ist in der Jungle World ein interessantes Dossier (erst morgen online) zum Thema erschienen. Dort wird zum einen ausführlich argumentiert, warum das Buch eben doch antisemitische Elemente enthält und zum anderen wird generell diese Strömung der Religionskritik und ihre Verbindungen zu Euthanisiebefürwortern, Esoterikern und Tierrechtlern auseinandergenommen. Das ist in weiten Teilen interessant, wenn auch sicher das eine oder andere mal etwas pauschalisierend.
Hauptziel all dieser Attacken ist der Autor Schmidt-Salomon. Leider regt sich niemand über den furchtbaren Zeichenstil auf. Ich bin ja geschädigt von diesen quietschebunten Kinderbüchern. Form und Inhalt finden da ja so garnicht zusammen.

… ein Argument für eine Indizierung entnehme ich dem allen jedoch immer noch nicht. Wenn diese Maßstäbe für eine Indizierung ausreichen würden, dann müsste man wohl die Hälfte aller Druckerzeugnisse indizieren. Damit kein Mißverständnis aufkommt: Das spricht nicht für das Ferkelbuch sondern gegen die Druckerzeugnisse. Trotzdem ist Indizierung einfach überzogen.

Fazit für mich aus der ganzen Affaire: Es wäre Zeit für ein religionskritisches Kinderbuch. Das Ferkelbuch ist an dieser Aufgabe gescheitert – inhaltlich und formal. Indizieren muß man es deswegen aber sicher nicht, im Gegenteil hat die Beantragung der Indizierung dem Buch eine unverdiente Aufmerksamkeit gebracht (Ja, da bin ich auch nicht unschuldig dran).

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4 Kommentare on “Ferkelbuch again”

  1. Christine sagt:

    Ich weiß gar nicht, was Du gegen die Bilder hast, scheinen doch ganz nett zu sein. Jedenfalls nicht ungewöhnlich bunt und auch sonst nicht extrem. Einige sehen sogar ganz witzig aus….

  2. Benni sagt:

    Ja, ungewöhnlich sind die bestimmt nicht. Aber halt dieser übliche Kinderbuchstil, quietschbunt und irgendwie süßlich, pausbäckisch. Gerade wenn man ein inhaltlich ungewöhnliches Kinderbuch macht wäre ja vielleicht auch eine ungewöhnliche Form mal nicht verkehrt. Aber womöglich dachten sie, wir verschrecken schon mit dem Inhalt, da müssen wir nicht auch noch mit der Form experimentieren.

  3. Achter sagt:

    Der Artikel ist ja nun schon etwas älter, trotzdem mein Senf dazu: Die Bildchen, die ich bis jetzt aus diesem Buch gesehen habe, sind nicht mein Fall. Vielleicht ist es auch ein schlechtes Buch, aber egal. JEDES zukünftige religionskritische Kinderbuch wird es zukünftig einfacher haben. Das Ferkelbuch ist ein Pionier. Daher auf jeden Fall ein wichtiges Buch.

  4. sloyment sagt:

    Okay, ich habe mir das Buch jetzt mal durchgelesen. Ich denke, der Bishop erklärt da einiges ziemlich krumm und schief:

    1. „God the Lord sent us his son, Jesus Christ, who died for our sins on the cross!“ — Ich finde, das geht voll an der Trinitätslehre vorbei. Jesus selbst ist Gott, „Gottes Sohn“ war lediglich seine gewählte Eigenbezeichnung. Auf den Punkt müßte man eigentlich noch viel genauer eingehen, was überhaupt ein Gott ist usw., aber egal.

    2. „The Lord washed away our sins with Jesus’ blood!“ — Das hat er nicht gemacht. Der einzelne Mensch verhält sich nach wie vor in den meisten Situationen völlig irrational und arschig. Was sich geändert hat, ist, daß es einfacher geworden ist, sich diese Fehler einzugestehen, wenn man weiß, daß schon ein anderer dafür gestorben ist. Und Einsicht ist ja der erste Schritt zur Besserung.

    3. Die Sache mit den Oblaten ist auch ziemlich skuril. Soweit ich weiß, verwendet nur die katholische Kirche Menschenfleisch für das Abendmahl. Wenn in einer Freikirche ein Schwein das Brot auffressen würde, wäre das wahrscheinlich nicht so schlimm. Dann müßte eben mal jemand schnell zur nächsten Tankstelle oder zum Dönerladen laufen und neues Brot holen.

    Insgesamt finde ich, daß sich die Autoren des Ferkelbuchs eher Randpunkte für ihre Polemisierungen herausgepickt haben. Der eigentliche Kern der christlichen Lehre wird dabei völlig ausgeblendet:

    „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.“ Dieses ist das große und erste Gebot. Das zweite aber, ihm gleiche(!), ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

    (Mat. 22:37–39)

    Ich versuche mir jetzt vorzustellen, wie ein „Kinderbuch“ aussehen könnte, das sich gegen Nächstenliebe einsetzt…


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