Geld weg?

Seit Tagen versuche ich mir darüber klar zu werden, wie denn das jetzt ist mit dem Geld. Ist jetzt wirklich Geld vernichtet worden durch die Krise oder hat es nur jemand anders? Das ist ja für die mittel- und langfristige Beurteilung wie es jetzt weiter geht mit dem Kapitalismus nicht unerheblich.

Glücklicherweise belehrt mich jetzt die Frankfurter Rundschau darüber, dass das niemand so genau weiß. Puh, ich dachte schon, ich bin einfach nur zu blöd. Natürlich steht sowas nur im Feuilleton, nicht im Wirtschaftsteil, wo es hingehört. Geld, mal wieder ein Mysterium. Und, nein weder Marxisten noch Gesellianer noch andere mehr oder weniger kritische Geister können das erklären, obwohl sie es seit langem versuchen. Ganz zu schweigen natürlich von der Mainstream-Wirtschaftstheorie, die einfach antwortet, die Frage sei falsch gestellt. Wenn eine Frage, die über die Zukunft unseres Gesellschaftssystem entscheidet, falsch gestellt sein kann, dann ist die Wissenschaft, die sowas behauptet wohl selber irgendwie falsch oder zumindestens ziemlich irrelevant.

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7 Kommentare on “Geld weg?”

  1. StefanMz sagt:

    Warum soll das so schwierig sein? Ich seh’s so: Solange das »Geld« nur Buchgeld in der selbstreferenziellen Finanzsphäre (aka »Blase«) ist, ist jeder Kurs-Rückgang oder -aufschwung egal. Deswegen nannte schon Marx das treffend »Fiktives Kapital«. Wenn aber das Blasengeld benutzt wird, um realökonomische Vorgänge abzusichern (via Kredit, Hypothek oder auch der Blase entzogener Spekulationsgewinn und noch mehr dgl.), dann wird es kritisch, wenn irgendwann real diese Kredite »platzen«, real aber die Schulden nun ausgeglichen werden müssen (schließlich wurde sie bereits verkonsumiert). Das war im Kern der Immobiliencrash in den USA: Dort gab es zwecks Konsums Mehrfachbeleihungen, sprich Hypotheken, des angenommenen spekulativen Wertzuwachses des seinerseits auf Kredit gekauften Hauses. Diese Beleihungen wurde ihrerseits gebündelt und ihrerseits als kreativer Finanzprodukte gehandelt. Usw. — Nun kracht das Kartenhaus partiell zusammen, das ist das, was wir gerade erleben. Das heißt: Das Geld ist nun real weg und die Leute hocken real auf ihren Schulden. Eine solche Blasen-Implosion kann dann nur wieder durch eine nächstgrößere Blase kompensiert werden. Mal sehn, welche das sein wird. Tipps?

  2. Benni sagt:

    Das Problem ist aber, dass das angeblich „fiktive“ Kapital ja immer „reale“ Vorgänge betrifft. Das Geld selbst ist ja auch „fiktiv“. Und genau das hat Marx falsch gesehen. Bei ihm ist Geld im Prinzip eine Ware wie jede andere, weil immer noch an Gold gekoppelt. Das hat schon zu seiner Zeit nicht mehr wirklich gestimmt und ist spätestens mit dem Ende von Bretton Woods völlig absurd.

  3. StefanMz sagt:

    Wieso soll das Geld „fiktiv“ sein?? Also, wenn du das annimmst, dann sind die Waren, die du gegen Geld bekommst, ebenso „fiktiv“.

  4. Benni sagt:

    @Stefan: Natürlich kriegt man was dafür. Genauso wie für Gebete. So lange alle dran glauben, wirkts. Situationen wie die aktuelle errinnern uns daran.

  5. christine sagt:

    Achso, danke, Benni. Ich dachte auch schon, ich wäre blöd.

  6. StefanMz sagt:

    Meine Gebete wurde noch nie erhört. Sauerei!

  7. Benni sagt:

    @Stefan: Hast wohl an den falschen Gott gebetet? Tipp: Sein Name fängt mit „A“ an und hört mit „rbeit“ auf. Zumindestens für die Gläubigen. Die Priester kennen andere Wege.


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