Anstatt eines Kommentars

Da es beim ansonsten lesenswerten Mond leider immer noch keine Kommentarfunktion gibt, dann eben hier. Er schreibt über Krise und verkürzte Kritik ganz richtig:

„Schuld am Desaster, so ist es jetzt in vielen online-Foren zu lesen, ist angeblich die „Gier“ – damit verbunden die Forderung nach „moralischer Erneuerung“. Was vergessen wird ist, dass Gewinne machen im Kapitalismus das allgemeine Ziel ist, dies ist zum teil Vertraglich vereinbart zum teil sogar Gesetzlich vorgeschrieben.“

Nur wie man nach so einer Einleitung dann weitermachen kann mit:

„Es darf natürlich nicht vergessen werden, dass sich die neoliberale-Ideologie nicht deswegen durchsetze weil die Argumente so überzeugend waren sondern weil es eine Klasse gab die diese Ideologie benötigte. Die Industriellen, Aktien-BesitzerInnen und ihre Helfer benötigten eine ideologische Grundlage die ihnen bescheinigte „das Richtige zu tun“.“

Da ist es dann also doch wieder eine Gruppe von Schuldigen, die man ausdeuten kann. Zugegeben, dass Handeln vom Menschen ist auch im Kapitalismus nicht egal. Wenn es so wäre könnten wir uns das drüber aufregen ja auch sparen. Aber dennoch empfinde ich es auch als verkürzte Kritik, wenn die Durchsetzung des Neoliberalismus als simple Interessenpolitik abgetan wird. Das erklärt nicht, dass die Gesellschaft in ihrer Breite – auch jenseits dieser Gruppen – auf den neuen Kurs eingeschwenkt ist. Naheliegender finde ich es dann schon drüber nachzudenken, was die objektiven Vorteile waren, die dazu geführt haben, dass sich der Neoliberalismus durchsetzen konnte. Die subjektiven Interessen sind eh immer klar. Nur warum haben sie sich genau auf diese Weise geäussert? Meine Antwort wäre: Weil das alte fordistische Akkumulationsmodell nicht mehr funktioniert hat. Der Kapitalismus war in der Krise (Stufe 3). So wie heute wieder. Seine Abschaffung konnte damals nicht durchgesetzt werden, also musste ein neues Modell her. Die Folgen dieses Versuches sehen wir heute. Die damalige Krise wurde auf heute verschoben. Das sagt natürlich noch nichts darüber aus, wie die Lösung diesmal aussehen wird und ob es überhaupt eine gibt.

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3 Kommentare on “Anstatt eines Kommentars”

  1. Thomas sagt:

    Klar, das Ausdeuten einer schuldigen Klasse bringt uns nicht weiter. Die Frage ist aber ob uns das Ausdeuten eines Mechanismus viel weiter bringt. Im Nachhinein war es ja immer so dass alles Sinn gemacht hat um die Gegenwart zu produzieren. Die Herausforderung waere, beides (Akteur/Handlung vs Funktionen/Struktur) nicht gegeneinander zu stellen, sondern in seinem Zusammenwirken zu verstehen. Gell?

  2. Benni sagt:

    @thomas: Ja, so wollte ich es gemeint haben. Kam das anders rüber?

  3. mond sagt:

    Ja, wird Zeit dass ich mich um die Kommentarfunktion kümmere. Was die Kritik am Artikel betrifft stimme ich weitgehend zu. Ziel dieses Teils war auch nicht eine detaillierte Analyse sondern einen ganz kurzen Überblick über die Geschichte des Neoliberalismus zu geben. Vielen ist das ja noch gänzlich unbekannt.

    Was die Kritik betrifft, dass hier „Schuldige“ ausgemacht werden so kann ich aber nicht zustimmen. Das System zwingt den Menschen bestimmte Rollen auf (Marx spricht von „Charaktermasken“. Wenn wir über diese Rollen sprechen machen wir damit zwangsläufig auch jene aus, die gezwungen sind in sie zu schlüpfen. Darum kann man/frau sich nicht herumdrücken außer wir verzichten drauf solche Rollen zu identifizieren. Gerade das würde aber erst die Analyse wieder weg von den Rollen hin zur personifizierenden und Kritik leiten die wir ja vermeiden wollen.

    Was den Rest betrifft hast du wohl recht. Krise des Fordismus & Co spielen da eine wichtige Rollen. Gramsci hat da viele Antworten…. Dennoch bleibt die Grundlage:

    „Die herrschenden Gedanken sind immer die Gedanken der Herrschenden“.

    lg mond.


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