verblüffende Fakten (6)

Bis ins 19. Jahrhundert hinein ist die Artenvielfalt in Europa kontinuierlich gestiegen und zwar nicht trotz sondern wegen des Menschen. Ein vorher einheitlicher Lebensraum (Wald, Wald und nochmals Wald) wurde durch den zunehmenden Ackerbau kleinteilig parzelliert und es entstanden ganz neue Lebensräume (Hecken, Wiesen, Felder), die zur Einwanderung von Arten aus anderen Regionen führten.

Offene Frage: Wie passt das zum verblüffenden Fakt Nr. 2?

Quelle: „Die Grenzen des Kapitalismus“ S.36

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6 Kommentare on “verblüffende Fakten (6)”

  1. Wortman sagt:

    Ich denke, es waren nicht nur andere Regionen, auch durch die erhöhte Seefahrt wurden diverse Tierarten eingeschleppt. Viele hielten sich nicht, andere wiederum haben sich angepasst.

  2. Andreas Exner sagt:

    Grüß Euch

    Hab einen kurzen Blick in Eure Debatte getan. Da geht glaub ich einiges durcheinander (die Pest etc.).

    Fakt ist, und nur darauf nimmt die Buchstelle Bezug, dass ein großer Teil der heute in Mitteleuropa vorfindlichen Arten (von Deutschland – wie scheinbar angenommen – schreiben wir nicht) an vom Menschen geschaffene Lebensräume gebunden ist. Diese Lebensräume sind durch Intensivierung, aber auch durch Aufforstung, Verbrachung und Meliorierung im Zuge der kapitalistischen Modernisierung der Landwirtschaft, verstärkt seit den 1950er Jahren, immer stärker bedroht und zum Teil (zumindest regional) bereits verschwunden. Damit einher geht ein entsprechender Artenverlust.

    Besonders betroffen sind dabei grundsätzliche alle mageren, das heißt nährstoffarmen Lebensräume (Trockene Magerwiesen, nährstoffarmes Feuchtgrünland, extensive Äcker).

    Wir zitieren an dieser Stelle eine Quelle (Döring in Rudolph, 2007), das aber eher, weil der Artikel von Döring zu Biodiversität und Wirtschaftswachstum (das ja erst ab dem 19. Jhdt. wirklich in Gang kommt) allgemein sehr interessant ist. Er selbst zitiert zur gegenständlichen Frage Heinz Ellenberg und Sukopp, die sich mit der Frage Biodiversität und Kulturlandschaft schon vor längerer Zeit intensiv befasst haben.

    Dass die Artenvielfalt in Mitteleuropa (man kann das aber auf ganz Europa verallgemeinern) stark vom Menschen abhängt und aufgrund von Nutzungsänderungen – eben einerseits Intensivierung, andererseits Nutzungsaufgabe – stark gefährdet ist, ist an sich Allgemeinwissen in der Ökologie.

    LG, Andreas

  3. Benni sagt:

    @Andreas: Na, das ist ja ein Service, da poste ich eine Quelle und der Autor meldet sich direkt selbst zu Wort 🙂

    Mir war schon klar, dass die Artenvielfalt in Europa stark vom Menschen abhängig ist. Mir zumindestens war aber neu, dass das in beide Richtungen ging. Sonst kennt man ja nur so Geschichten, dass die Wölfe oder die Bären ausstarben auch schon früher als 19. Jahrhundert.

  4. Christine sagt:

    Aha, das ist ja superinteressant. Ich finde, es klingt sehr einleuchtend. Mir kommt außerdem sogar der Wald heute ziemlich tot vor, jedenfalls da, wo Forstwirtschaft und Spaziergänger rumrödeln.
    Das Buch würd ich auch gern mal lesen.

  5. christianlauk sagt:

    Hallo

    Ja, Großsäuger haben’s bei uns schon spätestens seit dem 19. Jhdt. schwer, soweit ich weiß. Die sind für die Artenvielfalt im Ganzen gesehen aber recht unbedeutend – Top-Consumer und als Tiergruppe artenarm. Bin aber kein Zoologe und müsste das auch recherchieren. (Man sollte aber auch nicht vergessen, dass Großsäuger in anderen Regionen sehr wichtige Funktionen für die Struktur und Dynamik der Lebensräume und daher auch die Artenvielfalt haben; man denke an Afrikas Savannen.)

    Die Schmetterlingsfauna, aber auch andere Insekten, die zum Teil – ebenso wie eben sehr viele Pflanzenarten – von relativ offenen, reich strukturierten, mäßig „gestörten“ (so heißt das in der Ökologen-Sprache, wenn eine Lebensgemeinschaft immer wieder drastische Veränderungen erfährt, z. B. durch Mahd) und/oder nährstoffarmen Standorten abhängen, sind allerdings z. T. recht direkt an die pflanzliche Vielfalt gekoppelt. Bei Schmetterlingen etwa über z. T. sehr spezifische Nahrungspflanzen.

    Der Wald ist in weiten Teilen Mitteleuropas (ist aber in anderen Teilen Europas nicht viel anders) Forst, das heißt von durch den Menschen eingebrachten Baumarten geprägt. Die Artenvielfalt ist in Wäldern zumindest auf pflanzlicher Ebene (bei den Tieren ist das aber meinem bescheidenen Wissen nach ähnlich) recht gering bis mäßig. Ausnahmen sind auch hier die so genannten Sonderstandorte auf trockenen, mageren Böden, wo sehr hohe Artenzahlen erreicht werden können, nicht zuletzt deshalb weil die Bäume dort relativ langsam wachsen und die Kronen nicht schließen und daher viel Licht durchlassen (diese Bestände ähneln aber im Unterwuchs den besagten Magerwiesen, man denke an trockene, kalkreiche Rotföhrenwälder).

    Urwälder (von denen es in Mitteleuropa nur mehr sehr kleine Reste gibt) weisen bei den höheren Pflanzen keine eigenen Arten auf, die in menschlich genutzten Wäldern fehlen würden. Bei den Pilzen ist das anders, auch bei Tierarten z. T.. Urwälder zeichnen sich unter vegetationsökologischem Gesichtspunkt stärker durch ihre einzigartige Dynamik und ihren Strukturreichtum aus.

    Die Vielfalt der traditionellen Kulturlandschaft ist erkennbar höher als das ursprünglich fast geschlossene Waldgebiet Mitteleuropas. Heutige Kulturlandschaften sind aber zumeist „ausgeräumt“, und da fehlt dann nicht nur die Landschaftsstruktur (Hecken, Feuchtflächen, Feldgehölze, Waldreste, Magerwiesen, artenreiche Äcker, Sukzessionsstadien usw.), sondern auch der damit einhergehende Artenreichtum.

    Ob man das dann bedauernswert oder/und hässlich findet, steht wie immer auf einem anderen Blatt.

    Für uns im Buch war in dem Zusammenhang die Hauptaussage die, dass ein so hochgeschätztes Gut wie Artenvielfalt prima vista nicht mit fehlendem menschlichen Einfluss zu tun haben muss (und vielfach auch nicht hat). Es kommt eben auf die Produktionsweise an, nicht darauf, den Menschen überhaupt „zurückzudrängen“.

    LG, Andreas

  6. Benni sagt:

    Danke Andreas, so sollen Kommentare sein 🙂


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