Ferkelbuch again

Ich schrieb ja vor einiger Zeit hier über den Indizierungsfall mit dem Ferkelbuch. Jetzt – wo das ja schon lange niemanden mehr interessiert – ist in der Jungle World ein interessantes Dossier (erst morgen online) zum Thema erschienen. Dort wird zum einen ausführlich argumentiert, warum das Buch eben doch antisemitische Elemente enthält und zum anderen wird generell diese Strömung der Religionskritik und ihre Verbindungen zu Euthanisiebefürwortern, Esoterikern und Tierrechtlern auseinandergenommen. Das ist in weiten Teilen interessant, wenn auch sicher das eine oder andere mal etwas pauschalisierend.
Hauptziel all dieser Attacken ist der Autor Schmidt-Salomon. Leider regt sich niemand über den furchtbaren Zeichenstil auf. Ich bin ja geschädigt von diesen quietschebunten Kinderbüchern. Form und Inhalt finden da ja so garnicht zusammen.

… ein Argument für eine Indizierung entnehme ich dem allen jedoch immer noch nicht. Wenn diese Maßstäbe für eine Indizierung ausreichen würden, dann müsste man wohl die Hälfte aller Druckerzeugnisse indizieren. Damit kein Mißverständnis aufkommt: Das spricht nicht für das Ferkelbuch sondern gegen die Druckerzeugnisse. Trotzdem ist Indizierung einfach überzogen.

Fazit für mich aus der ganzen Affaire: Es wäre Zeit für ein religionskritisches Kinderbuch. Das Ferkelbuch ist an dieser Aufgabe gescheitert – inhaltlich und formal. Indizieren muß man es deswegen aber sicher nicht, im Gegenteil hat die Beantragung der Indizierung dem Buch eine unverdiente Aufmerksamkeit gebracht (Ja, da bin ich auch nicht unschuldig dran).


Bundesverfassungsgericht für Menschenzucht

Das in letzter Zeit ja zu unrecht so viel gelobte Bundesverfassungsgericht hat sich jetzt einen wirklichen Hammer geleistet. Zum einen fällt es die mir nicht nachvollziehbare Entscheidung, dass einvernehmlicher Geschlechtsverkehr unter Geschwistern weiter strafbar bleibt. Das an sich finde ich schon skandalös. Wirklich krass wird es aber, wenn man sich Teile der Begründung ansieht, so heisst es da:

„Der Gesetzgeber hat sich zusätzlich auf eugenische Gesichtspunkte gestützt und ist davon ausgegangen, dass bei Kindern, die aus einer inzestuösen Beziehung erwachsen, wegen der erhöhten Möglichkeit der Summierung rezessiver Erbanlagen die Gefahr erheblicher Schädigungen nicht ausgeschlossen werden könne. Im medizinischen und anthropologischen, von empirischen Studien gestützten Schrifttum wird auf die besondere Gefahr des Entstehens von Erbschäden hingewiesen.“

Das heisst also man darf jedem Sex verbieten, nur wenn die Gefahr besteht, dass dabei „erhebliche Schädigungen“ auftreten können? Als nächstes dürfen dann Behinderte nicht mehr miteinander? Hatten wir das nicht schon mal? Ich schließe mich da lieber diesem Absatz in der Wikipedia an (den NPOV-Konjunktiv denkt euch einfach weg):

„In neuerer Zeit wird verschiedentlich argumentiert, dass das Inzestverbot im Prinzip überflüssig sei, da die genetisch bedingten Risiken für den aus Inzest resultierenden Nachwuchs bekannt seien und das Rechtsgut der sexuellen Selbstbestimmung höher zu werten sei. Zudem sei das Ziel eines solchen Verbots unklar, da die Verhütung potenziell erbkranken Nachwuchses kein Ziel des Staates sei. Es gilt aber in jedem Fall als notwendig, alle Inzestwilligen über diese Risiken und ihre Vermeidung (mittels Empfängnisverhütung) aufzuklären.“

klingt doch eigentlich völlig logisch.