Gesell im Praxistest

Na, da werden die Gesellianer sich jetzt aber freuen. Die Zentralbank der Weltleitwährung senkt die Zinsen auf quasi Null. Nach ihrer wirren Theorie ist damit der Kapitalismus also beendet. Herzlichen Glückwunsch.

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Kommt der ganz große Crash?

Den großen Crash hatten wir ja schon. Kommt vielleicht noch der ganz große? Also Krise nicht mehr nur auf Stufe 3, sondern Stufe 4 oder gar 5? Also nicht nur eine Krise des Akkumulationsmodells, sondern eine der Hegemonie oder gar des Systems? Zwei Punkte in der aktuellen Entwicklung sprechen dafür:

  1. Viel wird dabei davon abhängen ob es gelingt das Finanzsystem komplett neu zu gestalten. Das Wort von „Bretton Woods 2″ geistert ja schon rum. Und nötig ist ein solcher Schritt auf jeden Fall. Aber noch sehe ich nicht, dass sie sich werden einigen können. Das liegt natürlich genau an der geschwächten US-Hegemonie. DIe US-Regierung wird nicht in der Lage sein ihre Sicht der Dinge durchzusetzen. Gleichzeitig gibt es aber noch keinen neuen Hegemon und auf absehbare Zeit ist auch niemand in Sicht. Ohne Einigung aber kein neues Weltfinanzsystem. Natürlich wird es irgendwelche eher kosmetischen Änderungen geben, schließlich muß ja Handlungsfähigkeit demonstriert werden. Aber ich vermute mal, dass sich das eher an der Oberfläche bewegen wird und radikale Schritte, die nötig wären um das System am Laufen zu halten, wird es nicht geben können.
  2. Was auch immer die Ursachen der Krise im Detail seien mögen, einig sind sich eigentlich alle, dass es ein zuviel an Kredit gab. Nun gibt es im Krisenmanagement jede Menge unterschiedlicher Methoden. Sie haben aber alle den selben Kern: Noch mehr Kredit. Das kann natürlich auf lange Sicht nicht gutgehen. Dabei ist es eigentlich auch unerheblich wer den Kredit vergibt, der Staat oder die Banken. Am Ende zahlen die Zeche so oder so wir. Und es ist da auch immer noch kein Ende abzusehen. Noch hat das Faß keinen Boden.

Das sagt natürlich alles nichts darüber ob es nicht vielleicht andere Tendenzen gibt, die den ganz großen Crash vielleicht doch noch verhindern (die müssten aber ziemlich stark sein) oder ob das ganze apruppt oder eher schleichend verlaufen wird und in welchem Zeitraum es passiert.

Was also tun? Menschliche Beziehungen stärken und sich mit dem Nötigsten eindecken! Zumindestens letzteres werde ich heute dann mal tun.


Frecher geht immer!

Wer geglaubt hatte die Sozialisierung der Verluste der Finanzbranche sei schon eine bodenlose Frechheit wird jetzt belehrt, dass es wohl offensichtlich noch frecher geht. Die Financial Times Deutschland schreibt:

Die vom US-Rettungspaket in der Finanzkrise unterstützten Banken schütten laut einem Zeitungsbericht rechnerisch mehr als die Hälfte der Milliardenhilfen als Dividenden an ihre Aktionäre aus. Statt in die dringend nötige Wiederbelebung der Kreditvergabe fließe das Geld so mit staatlichem Segen an die Anteilseigner, berichtete die „Washington Post“ am Donnerstag. Die bislang am Rettungspaket beteiligten 33 Finanzhäuser planten aktuell Quartalsdividenden von zusammen rund 7 Mrd. $. Auf die nächsten drei Jahre hochgerechnet sei das mehr als die Hälfte der vom Staat bislang in die Institute investierten Summe von gut 163 Mrd. $, so die Zeitung.

Das nenn ich mal Umverteilungspolitik!

Den Originalartikel kann man leider nicht direkt verlinken. Über die Homepage der Washington Post ist er allerdings zugreifbar.


Träumen Analysten von elektrischen Schafen?

Wochenlange Finanzkrisenturbulenzen scheinen mir auf den Schlaf zu schlagen. Ich wachte heute mitten in der Nacht auf und hatte eine ziemlich bescheuerte Idee. Dummerweise konnte ich nicht wieder einschlafen bis ich sie verwirklicht hatte. Hier ist er also, der …

Amokanalyst.

Viel Spaß damit. Weitere Einträge für Sätze nach dem sicherlich leicht zu erkennenden Schema nehme ich gerne hier in den Kommentaren entgegen.


Börse bizarr

Gerade wenn ich denke, ich hab so halbwegs verstanden wie diese Finanzmärkte funktionieren, schaffen sie es mich wieder komplett zu verwirren.

Zur Zeit steigt die Aktie von VW gerade mal wieder extrem. Ok, sowas kennt man ja inzwischen. Aber was daran völlig bizarr ist: Die Aktie steigt nicht etwa, weil viele Leute auf steigende Kurse spekulieren, wie man es erwarten würde, sondern weil zu viele mittels Leerverkäufen auf fallende Kurse spekulieren. Wahrscheinlich wird dann der Aufprall hinterher um so härter. Aber beruft euch nicht auf mich, ich kapier garnix.


Anstatt eines Kommentars

Da es beim ansonsten lesenswerten Mond leider immer noch keine Kommentarfunktion gibt, dann eben hier. Er schreibt über Krise und verkürzte Kritik ganz richtig:

„Schuld am Desaster, so ist es jetzt in vielen online-Foren zu lesen, ist angeblich die „Gier“ – damit verbunden die Forderung nach „moralischer Erneuerung“. Was vergessen wird ist, dass Gewinne machen im Kapitalismus das allgemeine Ziel ist, dies ist zum teil Vertraglich vereinbart zum teil sogar Gesetzlich vorgeschrieben.“

Nur wie man nach so einer Einleitung dann weitermachen kann mit:

„Es darf natürlich nicht vergessen werden, dass sich die neoliberale-Ideologie nicht deswegen durchsetze weil die Argumente so überzeugend waren sondern weil es eine Klasse gab die diese Ideologie benötigte. Die Industriellen, Aktien-BesitzerInnen und ihre Helfer benötigten eine ideologische Grundlage die ihnen bescheinigte „das Richtige zu tun“.“

Da ist es dann also doch wieder eine Gruppe von Schuldigen, die man ausdeuten kann. Zugegeben, dass Handeln vom Menschen ist auch im Kapitalismus nicht egal. Wenn es so wäre könnten wir uns das drüber aufregen ja auch sparen. Aber dennoch empfinde ich es auch als verkürzte Kritik, wenn die Durchsetzung des Neoliberalismus als simple Interessenpolitik abgetan wird. Das erklärt nicht, dass die Gesellschaft in ihrer Breite – auch jenseits dieser Gruppen – auf den neuen Kurs eingeschwenkt ist. Naheliegender finde ich es dann schon drüber nachzudenken, was die objektiven Vorteile waren, die dazu geführt haben, dass sich der Neoliberalismus durchsetzen konnte. Die subjektiven Interessen sind eh immer klar. Nur warum haben sie sich genau auf diese Weise geäussert? Meine Antwort wäre: Weil das alte fordistische Akkumulationsmodell nicht mehr funktioniert hat. Der Kapitalismus war in der Krise (Stufe 3). So wie heute wieder. Seine Abschaffung konnte damals nicht durchgesetzt werden, also musste ein neues Modell her. Die Folgen dieses Versuches sehen wir heute. Die damalige Krise wurde auf heute verschoben. Das sagt natürlich noch nichts darüber aus, wie die Lösung diesmal aussehen wird und ob es überhaupt eine gibt.


Symboljournalismus

Die Financial Times Deutschland schrieb in ihrem – im übrigen informativen – Finanzkrisenticker bis vor einigen Tagen immer noch den Schlußsatz:

„FTD.de protokolliert die dramatischen Ereignisse der Finanzkrise.“

Der Satz war schon immer nervig und überflüssig in seiner Wiederholung. Seit ein paar Tagen heisst es aber nun immer

„FTD.de protokolliert die bewegenden Ereignisse der Finanzkrise.“

Ob sie da wohl jemand an ihre gesellschaftliche Verantwortung errinnert hat? Bloß keine Panikmache? „Bewegend“ klingt irgendwie … nun … eben undramatischer. Einerseits. Andererseits zeigt es ja gerade erst die Dramatik auf, dass uns sowas bewegt. Unser emotionaler Haushalt wird beeinflußt von diesen Vorgängen. Warum eigentlich? Weil unser Leben dran hängt. Und das finde ich ziemlich dramatisch.

PS.: Für alle Bedeutungswirbel-Leser, die sich für die Finanzkrise interessieren aber nicht auch keimform.de lesen (Hm, gibts die? Ist der Plural angemessen?). Ich hab dort was über die Krise geschrieben.