Gedanken zu Blockupy und Rote Flora

Zwei Demos dieses Jahr, bei denen die Polizei eine ganz ähnliche Taktik fuhr: Unter irgendeinem absurden unverhältnismäßigen Vorwand wird die Demo schon kurz nach Beginn gestoppt und das Demonstrationsrecht außer Kraft gesetzt. Dennoch entwickeln sich beide sehr unterschiedlich weiter. In beiden Fällen kommt es zu massiver Polizeigewalt. Doch die Demos reagieren unterschiedlich: In Frankfurt lässt man sich im Grunde mehr oder weniger alles gefallen und leistet nur passiven Widerstand. Die Folge: Die Öffentliche Meinung ist ganz auf Seiten der Demo (was natürlich nix daran ändert, dass das Demonstrationsrecht trotzdem ausgehebelt wurde, es gibt auch bisher keine Konsequenzen, noch nicht mal ein Bauernopfer, im Gegenteil die damals schein-empörten Grünen arbeiten jetzt mit der CDU zusammen in Hessen).

In Hamburg kommt es zu aktiver Gegenwehr, Steine fliegen, Barrikaden werden gebaut. Ich bin sicher, dass ist genau das, was die Polizei haben wollte. Die lange vorher in den Medien geschürte Angst vor Krawallen sollte bestätigt werden. In Frankfurt ging die Strategie nicht auf, in Hamburg schon.

Viele, die den Zielen beider Demos nahe stehen, aber nicht direkt aus dem autonomen Spektrum kommen, ziehen daraus jetzt den Schluss, dass das Vorgehen in Frankfurt richtig und in Hamburg falsch war. Das mag sein, ich will das jetzt gar nicht grundsätzlich diskutieren, weil man dann wieder in die ganze Diskussion um strukturelle Gewalt, Wut, Pazifismus usw. einsteigen müsste. Das ist eine Diskussion die in der Linken ja traditionell viel Raum einnimmt und das ist auch gut so. Ich möchte nur in diesem konkreten Fall auf einen Unterschied der beiden Fälle hinweisen, nämlich die komplett unterschiedlichen Ziele der beiden Demos.

In Frankfurt ging es darum einen gesellschaftlichen Diskurs um die Eurokrise zu beeinflussen und den Widerstand gegen das Troika-Regime zur EZB zu tragen. In Hamburg ging es vor allem auch darum ein konkret von Räumung bedrohtes Projekt zu retten. Um die Ziele von Frankfurt zu erreichen braucht man einen langen Atem und viele Verbündete. Die braucht man auch für die Rote Flora. Aber wenn es konkret darum geht, die Räumung zu verhindern helfen Fernsehzuschauer, die ins Grübeln kommen angesichts von Polizeigewalt nicht wirklich viel. Deutlich zu machen, dass die Räumung teuer wird, hilft vielleicht eher. Insbesondere, da diese Strategie in Hamburg ja schon Tradition hat und in der Vergangenheit auch Erfolge aufweisen konnte.

Wie gesagt, ich möchte nicht die ganze Gewalt-Bei-Demos-Diskussion oder gar die ganze Diskussion ums Gewaltmonopol des Staates hier führen, ich möchte nur auf diesen wichtigen Unterschied hinweisen.

Diskuss!

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35 Jahre Freie Schule Frankfurt

Mein Sohn geht seit einem Jahr auf die Freie Schule Frankfurt (Vorsicht, die Webseite ist zur Zeit noch furchtbar). Diese Schule war eine der ersten Freien Alternativschulen in Deutschland und musste das mit einem zwölfjährigen Betrieb in der Illegalität bezahlen. Heute ist das zum Glück anders. Zur Feier dieses Anlasses gibt es jetzt eine Veranstaltungsreihe:

Gehorsam ohne Angst
Wie wir den Respekt unserer Kinder gewinnen, ohne Ihr Vertrauen zu verlieren.
Wolfgang Bergmann (Leiter des Instituts für Kinderpsychologie & Lerntherapie)
Donnerstag, 3.9.09 um 19:30Uhr im Saalbau Bornheim (Clubraum 1+3)
Arnsburger Strasse 24, 60386 Frankfurt a.M.

Selbstregulierung
Ich weiß, was gut für mich ist.
Gustl Marlock (Kinder & Jugendlichen Psychotherapie)
Montag, 14.9.09 um 19:30Uhr im Saalbau Bornheim (Clubraum 1+3)
Arnsburger Strasse 24, 60386 Frankfurt a.M.

Die Freiheit, Nein zu sagen
Bildung und Erziehung nach Auschwitz.
Benjamin Ortmeyer (Privatdozent an der Uni Frankfurt)
Montag, 28.9.09 um 19:30Uhr im Saalbau Bockenheim
Schwälmer Strasse 28, 60486 Frankfurt a.M.

Kompetente Kinder – Kompetente Eltern
Wie wie die Eigenverantwortung unserer Kinder stärken
Mathias Voelchert (Leiter Family Lab Deutschland)
Dienstag, 6.10.09 um 19:30Uhr im Saalbau Gutleut
Rottweiler Strasse 32, 60326 Frankfurt a.M.

Eintrittspreis für alle Verantstaltungen nach eigenem Ermessen

Es gibt auch noch ein Plakat als PDF zum bewundern.


Abgründe bei der Jobsuche

Ich versuche ja gerade daran zu arbeiten, das Familieneinkommen mal wieder etwas aufzubessern. Anlässlich dessen habe ich auch mein Gulp-Profil aktualisiert. Gulp ist ja ein super Tool für IT-Freiberufler aber zumindestens heute wirklich schnarchlangsam (btw: falls jemand weiss, ob und wie ich das Profil verlinken kann, bitte melden). Beim rumklicken stoße ich dann auch noch auf so eine Aussage in einem Interview:

GULP: Und wie schaut der Markt für Teilzeitkräfte aus?
Herr Porger: Der ist verschwindend klein und wird es wohl in absehbarer Zeit auch bleiben. Dies gilt insbesondere für Aufträge aus dem Bankensektor, die in aller Regel eine tagesfüllende Beschäftigung bieten.

Tja, da hab ich wohl geloost als jemand der auf Teilzeit angewiesen ist und in Frankfurt wohnt, wo gefühlte 80% aller Aufträge aus dem Finanzsektor kommen. Jemand eine Idee für Plan B?

Aber bei Gulp kann man neben solchen deprimierenden Aussagen auch interessante Erkenntnisse gewinnen. So habe ich da in ihrem „Trend Analyzer“ jetzt gelernt, dass Perl und Ruby in Süddeutschland angesagt ist, aber Python in Norddeutschland. Das klingt logisch: Perl ist eindeutig eine katholische Programmiersprache, Python und Ruby sind evangelisch. Hier opulente Vielfalt und die Gelegenheit zu sündigen an jeder Ecke aber auch die Möglichkeit zu beichten („use strict“) und dann ist auch gut. Dort Prinzipientreue („Alles ist ein Objekt“) und Disziplinierung durch Einrückzwang. Karneval ist schliesslich auch katholisch. Und Handstände?


Antifa in Dresden

classless beschreibt die Situation in Dresden recht drastisch. Unvorstellbar finde ich ja sowas:

Das Ordnungsamt hat offenbar die jüdische Gemeinde unter Druck gesetzt, wegen der vorbeiziehenden Nazis ihren samstäglichen Abschlußgottesdienst nicht im Freien im Innenhof der Synagoge durchzuführen. Ist alles nur zu ihrer eigenen Sicherheit…

Und ich dachte bei uns in Frankfurt seien die Behörden schon absurd nazifreundlich. Merke: Es geht immer noch schlimmer.