Europa einen Kontinent zu nennen, ist rassistisch.

Ok, zugegeben. Steile These. Aber ich denke sehr einfach und stringent begründbar.

Zunächst einmal: Was ist ein Kontinent?

Es gibt ein schönes Video zum Thema (danke an @tehabe für den Tip):

die erklären das Problem der Definition für unlösbar, aber wenn die Internationale Astronomische Union so schnell aufgegeben hätte, wäre Pluto noch heute ein Planet. Deswegen sage ich:  Wenn Pluto kein Planet mehr ist, warum ist dann Europa noch ein Kontinent?

Alle anderen kontinentalen Grenzen sind wohl begründet, nur die zwischen Europa und Asien ist es nicht. Es ist absurd eine so lange Landgrenze zwischen Kontinenten haben zu wollen (ähnlich absurd, wie einen Zwergplaneten als Planet zu bezeichnen).

Die Probleme bei anderen Kontinentgrenzen, wie sie in dem Video gesehen werden, sind leicht auflösbar. Kleine Landbrücken, oder Land, das aus ewigem Eis statt aus Fels besteht sind nicht wirklich ein Problem für eine sinnvolle Definition. Eine Landgrenze, die tausende von Kilometern lang ist, jedoch schon.

Ursprünglich bezeichnete „Europa“ ja auch nicht viel mehr als „unsere Seite vom Mittelmeer“. Erst mit der Neuzeit und der kolonialen Expansion wurde aus Europa wirklich ein Kontinent im heutigen Sinn.

Und das genau begründet auch meine steile These im Titel: Dieses Anhängsel von Eurasien, das ernsthaft ja noch nicht mal als Halbinsel durchgeht in den Status eines Kontinents zu erheben ist Ausdruck europäischen Überlegenheitsanspruchs, also im Kern kolonialistisch und rassistisch.

Die Europäische Union setzt das ja heute mit Frontex auch immer noch sehr eindrucksvoll um. Deswegen wäre es ein großartiges Zeichen, wenn die Internationale Geographische Union dem Vorbild ihrer astronomischen Kollegen folgt und den wachsweichen historisch gewachsenen Kriterien (beziehungsweise ja eher der Abwesenheit von ihnen) welche entgegensetzt, die als Definition Sinn machen und Europa aus dem Kreis der Kontinente verweist, so wie Pluto aus dem Kreis der Planeten verwiesen wurde.

Kulturalistische und rassistische Vorurteile haben nämlich in Wissenschaft nix zu suchen.


verblüffende Fakten (6)

Bis ins 19. Jahrhundert hinein ist die Artenvielfalt in Europa kontinuierlich gestiegen und zwar nicht trotz sondern wegen des Menschen. Ein vorher einheitlicher Lebensraum (Wald, Wald und nochmals Wald) wurde durch den zunehmenden Ackerbau kleinteilig parzelliert und es entstanden ganz neue Lebensräume (Hecken, Wiesen, Felder), die zur Einwanderung von Arten aus anderen Regionen führten.

Offene Frage: Wie passt das zum verblüffenden Fakt Nr. 2?

Quelle: „Die Grenzen des Kapitalismus“ S.36


Verblüffende Fakten (2)

„Um 1200 gab es weniger Wälder in Deutschland als heute.“

Quelle: „Groß Winseln und Wehklagen“ von Wolfgang Behringer in „Kulturaustausch – Zeitschrift für internationale Perspektiven“ 11/2008


Verblüffende Fakten

Es gab noch nie so viele Reitpferde in Deutschland wie heute. Quelle? Naja, Chaosradio Express Nr. 60 zum Thema Retrofuturismus: irgendwo rund um 1:30h

Das ist im übrigen auch jenseits dieses verblüffenden Fakts sehr hörenswert.


Lenin im Spiegel

Mein Nachbar hatte einen Spiegel doppelt und da ich ja gerade mit großem Erkenntnisgewinn Bini Adamsczaks Buch über die Niederlage des Kommunismus in Gestalt des Leninismus und Stalinismus in Russland gelesen hatte und auf dem Titelbild ein großer Lenin prangte, musste ich dann doch mal reingucken. Diese völlig unterschiedlichen Weltsichten sind schon interessant. Beim Spiegel gehts nicht um den Kommunismus sondern nur darum wie und warum ausgerechnet der Erzfeind der Kommunisten, Kaiser Wilhelm, die Oktoberrevolution zum Teil finanziert und ermöglicht hat. Bei Adamsczak geht es darum, warum das Ausbleiben der Revolution in Deutschland für Lenin ein Problem war und im Spiegel darum, warum gerade dieses sie überhaupt erst ermöglicht. Lustig.

Noch lustiger fand ich dann die nur nebenbei vermerkte Anekdote, dass Lenin noch Anfang 1917 davon ausgegangen war, dass seine Generation die Revolution nicht mehr erleben wird. Auf eine Art hat er Recht gehabt…