Gorbatschow im weißen Haus

Glasnost („Offenheit“) und Perestroika („Umbau“) hat er Ende der 80er versprochen. Zwanzig Jahre später sind sie nun auch im weißen Haus angekommen. Obama verspricht eine neue „Ära der Offenheit“ und „Change“ war ja schon sein alles beherrschendes Wahlkampfmotto. Bei Gorbatschow war das der Anfang vom Ende eines alten überlebten Systems, weil die Offenheit dazu führte, dass nicht mehr zu übersehen war, das der Umbau zu spät kommt um die Systemkrise aufzuhalten. Mit einem alten und überlebten System in der Krise hat es auch Obama zu tun. Hat er von seinem Vorgänger im Osten gelernt? Wer wird der Jelzin von Washington? Bleibt uns diesmal ein Tschernobyl erspart?

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Kommt der ganz große Crash?

Den großen Crash hatten wir ja schon. Kommt vielleicht noch der ganz große? Also Krise nicht mehr nur auf Stufe 3, sondern Stufe 4 oder gar 5? Also nicht nur eine Krise des Akkumulationsmodells, sondern eine der Hegemonie oder gar des Systems? Zwei Punkte in der aktuellen Entwicklung sprechen dafür:

  1. Viel wird dabei davon abhängen ob es gelingt das Finanzsystem komplett neu zu gestalten. Das Wort von „Bretton Woods 2″ geistert ja schon rum. Und nötig ist ein solcher Schritt auf jeden Fall. Aber noch sehe ich nicht, dass sie sich werden einigen können. Das liegt natürlich genau an der geschwächten US-Hegemonie. DIe US-Regierung wird nicht in der Lage sein ihre Sicht der Dinge durchzusetzen. Gleichzeitig gibt es aber noch keinen neuen Hegemon und auf absehbare Zeit ist auch niemand in Sicht. Ohne Einigung aber kein neues Weltfinanzsystem. Natürlich wird es irgendwelche eher kosmetischen Änderungen geben, schließlich muß ja Handlungsfähigkeit demonstriert werden. Aber ich vermute mal, dass sich das eher an der Oberfläche bewegen wird und radikale Schritte, die nötig wären um das System am Laufen zu halten, wird es nicht geben können.
  2. Was auch immer die Ursachen der Krise im Detail seien mögen, einig sind sich eigentlich alle, dass es ein zuviel an Kredit gab. Nun gibt es im Krisenmanagement jede Menge unterschiedlicher Methoden. Sie haben aber alle den selben Kern: Noch mehr Kredit. Das kann natürlich auf lange Sicht nicht gutgehen. Dabei ist es eigentlich auch unerheblich wer den Kredit vergibt, der Staat oder die Banken. Am Ende zahlen die Zeche so oder so wir. Und es ist da auch immer noch kein Ende abzusehen. Noch hat das Faß keinen Boden.

Das sagt natürlich alles nichts darüber ob es nicht vielleicht andere Tendenzen gibt, die den ganz großen Crash vielleicht doch noch verhindern (die müssten aber ziemlich stark sein) oder ob das ganze apruppt oder eher schleichend verlaufen wird und in welchem Zeitraum es passiert.

Was also tun? Menschliche Beziehungen stärken und sich mit dem Nötigsten eindecken! Zumindestens letzteres werde ich heute dann mal tun.


Ich löse euch die Finanzkrise!

Na, das ist mal ein Versprechen, was? Wie soll denn das gehen? Ganz einfach: Was ist zur Zeit das Problem, dass gelöst werden muß? Genau, es herrscht kein Vertrauen mehr zwischen den Banken. Keiner traut dem anderen mehr über den Weg, weil jeder vom anderen denkt, dass er als nächstes Pleite geht. Alle Lösungsmsßnahmen die diskutiert werden, versuchen mit bizarr viel Geld dieses Grundproblem zu lösen.

Ich schlage stattdessen folgendes vor: Alle relevanten Akteure – das dürften kaum mehr als ein paar hundert Leutchen sein – treffen sich an einem schönen, gerne auch teuren Ort (noch können sie sich den ja leisten) und veranstalten dort einen Open Space zur Lösungssuche. Wenn es so nicht gelingt das Vertrauen wieder herzustellen, wird es mit keinem Geld der Welt gelingen.

He, das war ja einfach. Mein Honorar? Hm, ich gebe mich mit einem Promille der bisher eingesetzten Summen völlig zufrieden. Bin ich nicht bescheiden?


Bodenbildung beendet Immobilienkrise!

Man guckt ja nicht so wirklich durch bei den ganzen Krisen und wie sie sich gegenseitig zueinander verhalten. Dollar hoch, Dollar runter, Ölpreis hoch, Ölpreis runter, ein falsches Wort im Iran löst eine Krise aus, ein ausgewachsener Krieg im Kaukasus nur ein Achselzucken, trotz aller Pipelines. Bei dem Karussell helfen auch die besten Glaskugeln nicht weiter. Aber jetzt endlich hat einer der vielen „Experten“ die wahre Ursache all der Probleme erkannt. Ein gewisser Stefan Rieke wird in der Süddeutschen zitiert mit den Worten:

Die Märkte würden damit rechnen, dass in den Vereinigten Staaten „die Bodenbildung bei den Immobilien beginnt“.

Da hätte man ja nun auch wirklich mal früher drauf kommen können, dass sich Immobilien ohne Boden einfach schlecht verkaufen. Also Fliesenleger, auf nach Amerika! Für die Bodenbildung!


Kapitalismus konkret

Bekanntlich brummt der Kapitalismus im globalen Maßstab seit Jahren ganz ordentlich. Die Wachstumsraten steigen ebenso wie die Anzahl der Beschäftigten. Also ist doch alles bestens könnte man meinen. Gerade in Boomzeiten lässt sich aber immer sehr gut beobachten wie völlig egal dem Selbstzweckmonster namens Kapitalismus die Bedürfnisse der Menschen sind. Ein paar Zahlen aus der heutigen Frankfurter Rundschau verdeutlichen das sehr gut:

„Eine Studie der Weltbank geht davon aus, dass bei jedem Prozentpunkt, um den sich Grundnahrungsmittel verteuern, die Zahl der Menschen ohne gesicherten Zugang zu Lebensmitteln global um 16 Millionen ansteigt.“ (Quelle)

gleichzeitig sieht man auf dieser Grafik, dass sich viele Lebensmittelpreise in den letzten Jahren vervierfacht haben. Wer es erträgt mag sich ausrechnen, was das zusammengenommen bedeutet.

Noch bizarrer wird es, wenn man nach den Ursachen guckt. Neben dem Biofuelboom sind das nämlich zum einen gerade das starke Wachstum in Asien, da dieses zu einer vermehrten Nachfrage nach Fleisch und Milch – und damit Futtermitteln – führt. Zum anderen führt aber die Finanzmarktkrise dazu, dass sich verdammt viel Geld neue Anlagefelder suchen muß und da haben sie sich halt gerade den Lebensmittelmarkt rausgesucht und treiben so die Preise noch weiter an. Krise und Boom geben sich in der Menschenfeindlichkeit die Hand.

Was lernen wir daraus: Egal wie es dem Kapitalismus geht, den Menschen geht es immer schlecht dabei.

Update: Kaum schrieb ich das hier lese ich eine solche Überschrift in der FAZ: „Die Ökonomie entdeckt die Menschlichkeit„. Hm… Zynismus?