Über Gewissen

Die Viererbande trägt ja wie schon einst Dagmar Metzger alleine ihr Gewissen groß vor sich her. Vielleicht sollte man da einfach mal lesen, was die drei neuen Gewissensfreunde in der Zeit bevor sie ihr Gewissen entdeckt haben, so von sich gaben.

Da sollte doch auch noch dem letzten Antikommunisten klar werden, dass das mit Gewissen einfach nichts zu tun hat. Vielmehr ist das der unverforenste Mißbrauch des Wortes „Gewissen“, der mir je untergekommen ist. So oder so haben wir es mit schamlosen Lügnern zu tun. Entweder haben sie vorher gelogen oder hinterher.


Wer sponsort die Viererbande?

Ok, das Jürgen Walter und seine Viererbande gekauft sind ist so offensichtlich, da muß man eigentlich nicht weiter drüber reden. Genausowenig wie über die Unverfrorenheit auch noch in der Fraktion bleiben zu wollen nachdem man bei Probeabstimmungen erst mitgestimmt hat und dann weils Pöstchen nicht passt kneift. Die eigentlich spannende Fragen sind: Von wem sind sie gekauft und was winkt Walter als Belohnung? Was meint ihr?


Symboljournalismus

Die Financial Times Deutschland schrieb in ihrem – im übrigen informativen – Finanzkrisenticker bis vor einigen Tagen immer noch den Schlußsatz:

„FTD.de protokolliert die dramatischen Ereignisse der Finanzkrise.“

Der Satz war schon immer nervig und überflüssig in seiner Wiederholung. Seit ein paar Tagen heisst es aber nun immer

„FTD.de protokolliert die bewegenden Ereignisse der Finanzkrise.“

Ob sie da wohl jemand an ihre gesellschaftliche Verantwortung errinnert hat? Bloß keine Panikmache? „Bewegend“ klingt irgendwie … nun … eben undramatischer. Einerseits. Andererseits zeigt es ja gerade erst die Dramatik auf, dass uns sowas bewegt. Unser emotionaler Haushalt wird beeinflußt von diesen Vorgängen. Warum eigentlich? Weil unser Leben dran hängt. Und das finde ich ziemlich dramatisch.

PS.: Für alle Bedeutungswirbel-Leser, die sich für die Finanzkrise interessieren aber nicht auch keimform.de lesen (Hm, gibts die? Ist der Plural angemessen?). Ich hab dort was über die Krise geschrieben.


Der erste Hauptsatz der Mediendynamik

Stefan Ripplinger schreibt im Jungle-World-Blog:

„Je schlechter politische Kunst ist, umso genauere Aussagen macht sie über den Zustand von Kultur, Künstler, Kritik.“

Da ist was dran. Ich glaube das liegt daran, dass hier eine Mediengrenze überschritten wird. Politik lässt sich ja durchaus auch als Medium interpretieren. Und da gilt – wie in allen Medien – der „erste Hauptsatz der Mediendynamik“:

Bei jeglichen Überschreitungen von Mediengrenzen ist es immer besser mit einer schlechten Vorlage anzufangen.

Wenn ich ein schlechtes Buch verfilme ist die Gefahr hinter ihm zurückzubleiben nicht sehr groß und man kann die Vorteile des eigentlichen Mediums viel besser zum Tragen bringen. Das ist der Grund weswegen es so wenige Gute Filme von guten Büchern gibt (ganz zu schweigen vom umgekehrten Fall). Andere Beispiele: Es gibts fast keine guten Computerspieladaptionen von guten Büchern oder Filmen. Wer mal Fantasy-Rollenspiele gespielt hat (also die echten, nicht am Computer) wird den Effekt kennen: Die größte Schundliteratur kann zu einem packenden Abend werden aber die wenigen guten Fantasybücher sind fast nicht umzusetzen.

Nun ist heute das Überschreiten von Mediengrenzen ja ökonomische Pflicht. Das könnte mich jetzt zu kulturpessimistischen Tiraden verleiten, statt dessen verweise ich darauf, dass jedes Gesetz eine Ausnahme kennt und das man sich diese zum Vorbild nehmen soll. Das könnte z.B. Douglas Adams und seine vielfältigen Adaptionen von „Per Anhalter durch die Galaxis“ als Hörspiel, Computerspiel, Buch, Fernsehserie sein. Da haben sich die Medien gegenseitig befruchtet, so dass man heute garnicht mehr wirklich feststellen kann, was eigentlich das „Original“ ist.

Nein, den Film hab ich nicht gesehen.

Bildlizenz: CC-BY-NC, Quelle


Undemokratisches Hessen?

Also ich habe an meiner (hessischen) Schule gelernt gekriegt, dass es Kennzeichen einer Demokratie sei, dass das Parlament die Hoheit über den Staatshaushalt ausübt. Jetzt lese ich heute angesichts des weiterhin sehr unterhaltsamen Polit-Theaters in Wiesbaden:

„Komplizierter wird es allerdings, wenn es ums Geld geht. Sollten SPD und Grüne an ihrem Plan festhalten, den Hochschulen die Einnahmeausfälle von rund 100 Millionen Euro aus Landesmitteln zu ersetzen, müssten sie den laufenden Haushalt ändern. Ein notwendiger Nachtrags-Etat kann aber nur von der Regierung eingebracht werden. „

Das lässt eigentlich nur zwei Schlüsse zu: Entweder ist Hessen gar keine Demokratie (also ich meine jetzt noch nicht mal im oberflächlich formalen Sinn), oder aber das Hessen-Abitur ist tatsächlich so schlecht wie sein Ruf.


Komische Zufälle rund um Dagmar Metzger

Rund um das Gewissen der Republik, Dagmar Metzger, entspannt sich eine kleine bis mittlere Verschwörungstheorie.  Ich beschränke mich zunächst mal auf die Fakten:

Dagamar Metzger ist nicht nur die Frau für oder gegen knappe Mehrheiten (im Landtag ist sie das Zünglein an der Waage und ihren Kandidatenplatz hat sie mit 34 zu 33 Stimmen erhalten), sondern auch Mitglied im Aufsichtsrat der HSE (HEAG südhessische Energie AG). Diese gehört zwar mehrheitlich der Stadt Darmstadt, aber in einer Minderheitsbeteiligung von 40% der Thüga. Diese wiederum gehört mehrheitlich E.ON, einem der vier großen Energiemonopolisten in Deutschland, deren Politik ja bekanntlich immer noch pro Atom und CO2 ist. Im Aufsichtsrat der HSE ist Frau Metzger in trauter Runde mit Vertretern von E.ON und Thüga.

Die Homepage von Frau Metzger ist nicht mehr erreichbar, nur noch über Archivseiten. Dort bezeichnet sie Energiepolitik als einen ihrer Schwerpunkte. Die Energiepolitik war auch im hessischen Wahlkampf ein wichtiges Thema. Grüne und SPD wollten einen ziemlich radikalen Wechsel hin zu regenerativen Energien, weg von Kohle und Atom versuchen. Das unterstützte laut Webarchiv auch Frau Metzger. Die Linke hätte dem sicherlich nicht entgegen gestanden.

Ich glaube jetzt auch nicht, dass  ihre Homepage absichtlich vom Netz genommen wurde um diese Zusammenhänge zu vertuschen. Wie man an den Links oben sieht sind diese Informationen ja weiterhin an anderer Stelle im Netz verfügbar. Wahrscheinlicher ist, dass da ein Server einfach zusammen gebrochen ist aufgrund des plötzlichen Traffics.

In der Presse wurden diese Hintergrundinfos bisher erstaunlich wenig behandelt, ich hab das nur in Leserkommentaren auf Zeitungsseiten und in Blogs gefunden. Deshalb hab ich mal etwas rumgegoogelt und diese Quellen zusammen getragen. Irgendwie unschön sind solche Verquickungen aber auf jeden Fall und ganz besonders bei jemandem der sein Gewissen so vor sich herträgt.