Das Schattenkabinett der Generation C64

Ok, der Spiegel hat da einen neuen Claim aufgemacht. Wir sind jetzt also die Generation C64. Ich persönlich fand den C64 ja schon damals blöd und war mehr von der Spektrum-Fraktion. Man denke nur an das peinliche Basic und die POKE-Orgien. Aber hach, das war halt so ein bisschen wie Geha gegen Pelikan. Und Jahre später hab ich erfahren, dass man in der Floppy vom C64 Apfelmännchen berechnen konnte, wenn man der POKE-König war und das hat schon einen ziemlich hohen Geek-Credibility-Faktor. Also meinetwegen, Generation C64.

Wenn wir aber jetzt unser politisches Erwachen haben, dann sollten wir doch auch mal zeigen, dass wir den alten Recken längst das Wasser reichen können. Deswegen hier jetzt mein Schattenkabinett der Generation C64. Wie ich uns kenne, wird natürlich jeder sein eigenes aufstellen. Wer mag kann das als Stöckchen auffassen. Ich hab mir die Freiheit genommen die Aufgabenbereiche der Ministerien neu zu verteilen (und das eine oder andere neue Aufgabengebiet hinzuzufügen, das bisher vernachlässigt wurde). Wie immer bei solchen Kabinettslisten sind ein paar Prominente drauf, wo jeder schon weiß wer es werden wird aber auch ein paar Überraschungen, die noch niemand kannte (Guttenwas? Steinwer?). Falls ich jemanden vergessen hab: Sucht euch ein Ressort aus und tragt euch in den Kommentaren ein.

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Offener Brief an alle Bundestagsabgeordneten

Gerade habe ich folgende e-mail an alle Bundestagsabgeordneten verschickt. Keine Ahnung ob die das lesen. Ist mehr eine Verzweiflungsaktion. Vielleicht bringt es ja den einen oder die andere zum Nachdenken. Hier der Wortlaut:

Keinen Wahlkampf auf dem Rücken missbrauchter Kinder führen: Internetsperren sind nicht bloß unnütz, sondern schädlich.


Sehr geehrte Damen und Herren,

zur Zeit berät der Bundestag über ein Gesetz zur Einführung von Internetsperren um Kinderpornographie zu bekämpfen. Ich, als Vater und Informatiker bin sehr besorgt über die Art wie diese Debatte geführt wird. Da ich mich als doppelten Experten in dieser Frage verstehe möchte ich sie bitten – neben all den breit geführten öffentlichen Diskussionen – einige Details zur Kenntnis zu nehmen, die bisher in der Debatte meiner Meinung nach zu kurz kommen. Bisher wird in der Öffentlichkeit vor allem so geredet als gäbe es ein Gegeneinander von Interessen eines freien Internets und den Interessen von missbrauchten Kindern. Als ginge es darum abzuwägen, was wichtiger ist. Ich möchte dagegen darauf aufmerksam machen, dass das geplante Gesetz nicht nur nutzlos ist, wie völlig richtig oft von dessen Gegnern behauptet, sondern sogar schädlich im Kampf gegen Kinderpornographie. Und zwar aus drei Gründen:

  1. Missbrauchsopfer werden doppelt missbraucht. Zunächst durch den eigentlichen Missbrauch, dann aber auch durch ein Klima des Schweigens in ihrem Umfeld. Niemand glaubt ihnen so recht, auch oft aus Unsicherheit wie man denn damit umzugehen hätte. Die geplanten Internetsperren funktionieren auf gesellschaftlicher Ebene ganz ähnlich wie diese Missbrauchsabwehr im Kleinen: Sie decken etwas zu, aber können nicht wirksam dagegen vorgehen und das aus einer ganz ähnlichen Unsicherheit heraus – auch wenn diese aktivistisch wirken mag.
  2. Die Täter werden gewarnt. Wenn eine Seite gesperrt wird, werden es die Betreiber der Seite sehr schnell erfahren. Sie haben dann alle Zeit der Welt auf einen anderen Server umzuziehen, Spuren zu verwischen, die Konsumenten zu warnen und andere Maßnahmen zu ergreifen, die eine Verfolgung vor Ort unmöglich machen und die nachhaltig dafür sorgen, dass das Material verfügbar bleibt.
  3. Die Sperrlisten weisen Konsumenten überhaupt erst den Weg. Wie ausgefeilt technische Sperrmaßnahmen auch immer sein mögen. Es gibt immer einen Weg sie zu umgehen. Dabei ist es nicht wichtig, wie technisch versiert die Konsumenten sind. Die Natur digitaler Kommunikation sorgt dafür, dass Material verfügbar bleibt, selbst wenn es nur einem Konsumenten gelingt die Sperren zu umgehen. So werden die Sperrlisten letzten Endes zur technischen Unterstützung für auf Kinderpornographie spezialisierte Suchprogramme. Da wird also kein Markt ausgetrocknet sondern erst einer geschaffen. Zusätzlich gibt es immer die Gefahr, dass die Sperrlisten selbst bekannt werden. In vielen Ländern, die schon Sperrlisten einsetzen, sind diese von Unbekannten veröffentlicht worden (und dabei wurde auch sichtbar, dass da meist nur zu einem Teil Kinderpornographie gelistet war).

Ich bitte Sie diese Punkte zu bedenken, wenn sie im Bundestag das Gesetz beschließen sollen. Unabhängig davon ob Ich Sie überzeugen konnte, dass die Sperren schädlich sind, ist eine breite Diskussion um diese Frage notwendig. Die missbrauchten Kinder haben mehr verdient als kurzfristigen Aktionismus, der am Ende droht nach hinten zu los zu gehen. Deswegen: Halten sie das Thema aus dem Wahlkampf heraus. Sorgen sie dafür, dass Zeit bleibt für eine breite gesellschaftliche Diskussion wie wir mit dem Thema umgehen wollen. Sorgen sie dafür, dass das Thema nicht zu Wahlkampfzwecken instrumentalisiert wird.

Mit freundlichen Grüßen,

Benjamin Bärmann, Frankfurt am Main (Informatiker und Vater)


Mein Wahlaufruf zur Europawahl

Aber was soll man bloß wählen? Ist doch alles das gleiche blöde Politikerpack!

Also, das ist doch ganz einfach! Ich mach mal den Erklärbär:

Die Grünen? Nee, die sind seit Kosovo bekanntlich einfach unwählbar. Und dass sie sich jetzt programmatisch wieder mehr den sozialen Bewegungen anbiedern ist nur peinlich und man merkt ihren Chefs ja auch förmlich an, dass sie ja schon wissen wie man mit sowas umgeht, wenn es denn dann mal Ernst werden sollte. Also: Unwählbar!

Die Linke? Denen geht es zu gut. Ich bin ja dafür, dass sie im Parlament sind, aber mehr muss auch nicht sein, so lange sie diese tendenziell kryptonationalistische, arbeitsfetischistische, micronationalbolschewistische Poltitk betreiben, die sich insbesondere in ihrem Chef Lafontaine manifestiert. Die emanzipatorischen Kräfte in dieser Partei sind zur Zeit eher auf dem Rückzug. Die wähl ich erst wieder, wenn sie drohen unter 5% zu fallen und dann auch vor allem um die gute Arbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung indirekt zu unterstützen.

SPD? Haha, war nur nen Witz. Höchstens aus Mitleid.

Irgendwelche Splitterparteien? Macht nicht wirklich einen Sinn. Mit einer Ausnahme:

Die Piraten! Natürlich kommen sie nicht über 5% (außer in Schweden, da sind sie inzwischen nach Mitgliedern drittgrößte Partei! – womit übrigens ihr Einzug ins Europaparlament fast sicher ist). Aber 0.5% wären auch schon ein Erfolg, das gibt nämlich Wahlkampfkostenerstattung und damit Geld für die wichtige neue Bewegung für Bürgerrechte, Datenschutz und ein freies Internet. Und das ist sehr realistisch, die Piraten erhalten gerade massiv Zulauf. Wir stehen da nämlich zur Zeit wirklich am Scheideweg zwischen neuen Möglichkeiten der Kooperation und neuen Möglichkeiten der Kontrolle. Die Eliten fangen gerade an aufzuwachen und zu merken, dass das Internet tatsächlich eine Bedrohung für sie sein könnte. Deswegen ist diese Bewegung genau jetzt so wichtig.

(Ihr habt doch alle die Petition unterzeichnet, ja?)


Grundeinkommen: Finanzierbarkeit und Staatsquote

Ich bin ja auch Mitglied im Netzwerk Grundeinkommen. Dieses Netzwerk tritt für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. Schon oft musste ich mir von meinen wertkritischen Freunden anhören, dass das ein unrealistisches Konzept ist, weil der Kapitalismus nicht funktionieren könnte ohne Arbeitszwang. Ich sag garnicht, dass das falsch ist, nur dass es im Kapitalismus notwendig immer einen ganzen Sack von Dingen gibt, die in ihm eigentlich nicht funktionieren können, wenn man ihn in Reinkultur betrachtet. Ein Kapitalismus in Reinkultur würde sich wahrscheinlich in 5 Minuten selbst zerlegen. Die entscheidende Frage ist also nicht die nach Reform oder Revolution, die bei den linken Grundeinkommenskritikern immer mitschwingt, sondern die, welche Reformutionen transformationsfördernd sind und welche nicht. Aber dazu hab ich mich ja schonmal länger ausgelassen.

Ok, das eigentlich nur als Vorrede um zu zeigen wieso ich mich überhaupt für das bedingungslose Grundeinkommen interessiere.

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