Ferkelbuch again

Ich schrieb ja vor einiger Zeit hier über den Indizierungsfall mit dem Ferkelbuch. Jetzt – wo das ja schon lange niemanden mehr interessiert – ist in der Jungle World ein interessantes Dossier (erst morgen online) zum Thema erschienen. Dort wird zum einen ausführlich argumentiert, warum das Buch eben doch antisemitische Elemente enthält und zum anderen wird generell diese Strömung der Religionskritik und ihre Verbindungen zu Euthanisiebefürwortern, Esoterikern und Tierrechtlern auseinandergenommen. Das ist in weiten Teilen interessant, wenn auch sicher das eine oder andere mal etwas pauschalisierend.
Hauptziel all dieser Attacken ist der Autor Schmidt-Salomon. Leider regt sich niemand über den furchtbaren Zeichenstil auf. Ich bin ja geschädigt von diesen quietschebunten Kinderbüchern. Form und Inhalt finden da ja so garnicht zusammen.

… ein Argument für eine Indizierung entnehme ich dem allen jedoch immer noch nicht. Wenn diese Maßstäbe für eine Indizierung ausreichen würden, dann müsste man wohl die Hälfte aller Druckerzeugnisse indizieren. Damit kein Mißverständnis aufkommt: Das spricht nicht für das Ferkelbuch sondern gegen die Druckerzeugnisse. Trotzdem ist Indizierung einfach überzogen.

Fazit für mich aus der ganzen Affaire: Es wäre Zeit für ein religionskritisches Kinderbuch. Das Ferkelbuch ist an dieser Aufgabe gescheitert – inhaltlich und formal. Indizieren muß man es deswegen aber sicher nicht, im Gegenteil hat die Beantragung der Indizierung dem Buch eine unverdiente Aufmerksamkeit gebracht (Ja, da bin ich auch nicht unschuldig dran).

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Verblüffende Fakten (3)

Das islamische Land mit den wenigsten Menschen, die einmal pro Woche einen Gottesdienst besuchen: Iran (27%). Quelle: Jungle World

Theokratie als Königsweg zum Atheismus? Vielleicht garnicht mal so abwegig. Womöglich ist ja das langfristig attraktive an der Religion eben gerade, dass sie Identität stiftet ohne sich zu sehr mit der Macht einzulassen?


Das Ferkelbuch: Ein wirres Spiel um Antisemitismus und Anti-Atheismus

Aus dem Hause unserer ach so liberalen Familienministerin kommt ein bizarrer Indizierungsversuch für ein religionskritisches Kinderbuch. Besonders bizarr: „Wo bitte gehts zu Gott fragte das kleine Ferkel“ wird u.a. vorgeworfen es sei antisemitisch. Auf der Seite zum Buch nimmt einer der Autoren folgendermassen Stellung:

Autor Schmidt-Salomon, der aufgrund seines jüdisch klingenden Namens selbst seit Jahren Zielscheibe antisemitischer Propaganda ist, findet diese Behauptung „ungeheuerlich“: „Dieser Antisemitismusvorwurf ist nichts weiter als ein fadenscheiniger Vorwand, um Religionskritik aus den Kinderstuben zu verbannen! Offensichtlich hat es einige Leute irritiert, dass sich das Ferkelbuch in der Weihnachtszeit besser verkaufte als die traditionelle, apologetisch-religiöse Kinderliteratur. Also hat man nach einer Möglichkeit gesucht, um dem einen Riegel vorzuschieben. Doch mit dem Antisemitismusvorwurf spaßt man nicht! Und bei mir, der ich als humanistischer Philosoph ganz wesentlich durch säkulare Juden wie Freud, Einstein, Marx oder Erich Fromm geprägt bin, sind die Damen und Herren des Ministeriums nun wirklich an der falschen Adresse gelandet!“
Schmidt-Salomon, dessen „Manifest des evolutionären Humanismus“ zu den meistverkauften dezidiert humanistischen Büchern der letzten Jahre zählt, war noch vor wenigen Monaten in iranischen Medien als „zionistischer Agent Israels“ bezeichnet worden, da er als Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung die PR-Kampagne „Wir haben abgeschworen!“ des „Zentralrats der Ex-Muslime“ geleitet hatte. „Insofern bedeutet der Antisemitismusvorwurf eine interessante Erweiterung meines Portfolios!“, scherzt der Philosoph bitter. „So viele antisemitische jüdische Agenten dürfte es ja nicht geben…“

Ich kenne das Buch nicht, aber der Verdacht, dass da eher die eigenen antisemtischen Vorurteile bei den Zensoren eine Rolle spielen als wirklicher Antisemitismus liegt doch nahe. So heisst es dort auch weiter über den Zeichner:

Fassungslos habe er zur Kenntnis genommen, sagt Nyncke, dass die Antragsteller in dem Handgemenge zwischen den streitenden Gottesdienern ausgerechnet dem Rabbi Mordabsichten unterstellten, diese aber weder beim Bischof noch beim Mufti zu entdecken glaubten. Eine so offensichtliche Projektion der eigenen vorurteilsgeprägten Sichtweise auf eine ganz anders gemeinte bildliche Darstellung sei „an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten“.

Das gute daran: Eine bessere Werbung gibts wohl nicht. [via]