Die Angst der Manager

„Die Bürger stellen die Systemfrage… Bislang gärt der Frust im Stillen. Ganz langsam und fast unsichtbar höhlt er die westlichen Marktdemokratien von innen aus.“

Das schreibt nicht etwa die Junge Welt sondern das Manager Magazin und wird in einem für ein liberales Medium tatsächlich erstaunlich kapitalismuskritischen Artikel der Zeit (via) zitiert. Es ist ja nun nicht so, dass neben den Kapitalismusapologien auf der ersten Seite in der Zeit oder der FAZ nicht auch schon immer mal was kritisches im Feuietton geschrieben worden wäre. Aber meistens sind das moraltriefende Werke. Davon ist das hier erfrischend weit weg. So endet der Artikel dann auch folgerichtig:

„Übrigens, das manager magazin hat auch verraten, was junge Führungskräfte am meisten fürchten: dass eines Tages wieder Barrikaden brennen.“


Lenin im Spiegel

Mein Nachbar hatte einen Spiegel doppelt und da ich ja gerade mit großem Erkenntnisgewinn Bini Adamsczaks Buch über die Niederlage des Kommunismus in Gestalt des Leninismus und Stalinismus in Russland gelesen hatte und auf dem Titelbild ein großer Lenin prangte, musste ich dann doch mal reingucken. Diese völlig unterschiedlichen Weltsichten sind schon interessant. Beim Spiegel gehts nicht um den Kommunismus sondern nur darum wie und warum ausgerechnet der Erzfeind der Kommunisten, Kaiser Wilhelm, die Oktoberrevolution zum Teil finanziert und ermöglicht hat. Bei Adamsczak geht es darum, warum das Ausbleiben der Revolution in Deutschland für Lenin ein Problem war und im Spiegel darum, warum gerade dieses sie überhaupt erst ermöglicht. Lustig.

Noch lustiger fand ich dann die nur nebenbei vermerkte Anekdote, dass Lenin noch Anfang 1917 davon ausgegangen war, dass seine Generation die Revolution nicht mehr erleben wird. Auf eine Art hat er Recht gehabt…